Den meisten Groß-Borstelern wird die emsige Bautätigkeit im letzten Jahr auf dem Sportgelände des TSV 08 Eppendorf-Großborstel am Brödermannsweg nicht verborgen geblieben sein, obwohl sie sich größtenteils hinter einer hohen Hecke und dem Fangzaun der Anlage abspielte.

Ein Dreivierteljahr lang wurde am „Brö“ eifrig gearbeitet und nun befindet sich hier an der Stelle des alten Hartplatzes eine neue moderne Sportanlage mit einem Kunstrasen und einem freundlichen und geräumigen neuen Vereinshaus. Obwohl es auch noch andere Fitnessangebote im Ort gibt, war und ist der TSV 08 für viele doch wohl der sportliche Mittelpunkt Groß Borstels, alleine schon wegen seiner zentralen Lage, gleich an der Schule. Der Verein hat eine lange und bewegte Vergangenheit und mit der neuen Anlage und anderen neuen Entwicklungen sieht man einer spannenden Zukunft entgegen.

Der TSV 08 Eppendorf-Groß Borstel ging einst aus einer Fusion des Eppendorfer Sportvereins mit dem Sportverein Groß Borstel von 1911 hervor. Das ist schon etwas her, 1969 war das. Aber auch der Eppendorfer Sportverein war schon das Ergebnis einer Fusion unter Beteiligung des 1908 gegründeten Turn- und Sportvereins Eppendorf. So erklärt sich die Jahreszahl 1908 im Vereinsnamen des TSV. Die örtlichen Sportvereine hatten im Laufe der Zeit verschiedene Sportplätze in Groß Borstel zur Verfügung – oder eben nicht. So musste vor dem Ersten Weltkrieg mangels Alternativen sogar eine Zeit lang auf einem Exerzierplatz des Hamburger Infanterieregiments 76 trainiert werden. Dann wurde ein Fußballplatz zwischen Spreenende und Eberkamp angelegt, dort wo sich heute der Nirrnheimweg befindet. Die Vereine, die zum TSV zusammenwuchsen, hatten alle ihre eigene Geschichte, mit der Zeitgeschichte eng verbunden: Aufbruchsstimmung vor dem Ersten Weltkrieg und Niedergang durch die beiden Kriege.

Die Chronik auf der Vereinswebseite gibt detailliert Auskunft. Erst 1960 wurden die letzten Behelfsbaracken für ausgebombte Hamburger vom Sportgelände am Brödermannsweg weggeräumt und der Sportplatz wieder für die eigentliche Bestimmung nutzbar gemacht. 1972 baute man das Umkleidehaus zu einem kleinen Vereinshaus um. Generationen von jugendlichen und erwachsenen Sportsfreunden hatten auf dem Platz am Brödermannsweg ihren Spaß, allerdings war die alte Grandplatzanlage dann doch irgendwann in die Jahre gekommen und entsprach zuletzt nicht mehr den Ansprüchen, die man heute an eine Sportanlage stellt.

Nicht zuletzt die gute Jugendarbeit im TSV hatte dafür gesorgt, dass immer mehr Menschen die Angebote des Vereins nutzten und immer mehr Mannschaften in den Farben des Vereins aufliefen. Zuletzt hatte der Verein fast 800 Mitglieder. Den größten Teil der Mitglieder stellt die Turnabteilung, zu der Damengymnastik und Kinderturnen gehört. Diese Abteilung nutzt die Schulhalle gegenüber. Dann kommen die Fußballer mit derzeit fünf Erwachsenen- und 16 Jugendmannschaften, darunter sogar zwei Mädchenteams mit etwa 20 Mädchen. Ca. 60 Mitglieder gehören einer der sechs Trainingsgruppen im Volleyball an. Außerdem gibt es eine Tischtennisgruppe und eine Basketball-Freizeitgruppe, die sich beide in der Turnhalle am Klotzenmoor treffen.

Angesichts der gewachsenen Anforderungen und des nicht mehr zeitgemäßen Sportplatzes am Brödermannsweg nahm die Stadt Hamburg 2014 Pläne für einen Umbau zum Kunstrasenplatz in Angriff. Im Laufe der Gespräche über die Neugestaltung ergaben sich dann mit einem Mal neue Gesichtspunkte, als feststand, dass gleich gegenüber, am anderen Ufer der Tarpenbek, das große alte Bahnareal für ein Wohnungsneubaugebiet erschlossen werden sollte. Inzwischen ist der Bau schon fortgeschritten. Zur Zeit entstehen dort die ersten von insgesamt 750 neuen Wohnungen.

Man rechnet mit etwa 2700 neuen Bewohnern. Die Anbindung an den Ortskern von Groß Borstel soll unter anderem über eine neu zu bauende Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Tarpenbek erfolgen. Dafür ist eine Verbreiterung des Fuß-und Radweges neben dem Platz am Brödermannsweg vorgesehen. Dort stand allerdings das alte Vereinshaus des TSV im Weg, musste also versetzt werden. Der Vorsitzende des TSV, Georg Schulz, führte einige Gespräche mit dem inzwischen pensionierten damaligen Leiter des Bezirklichen Sportstättenbaus Rainer Hansen und schließlich fasste man gemeinsam einen stimmigen Anlagen-Umbauplan. Der ganze Sportplatz wurde in östlicher Richtung versetzt und dadurch auf der gegenüberliegenden Seite Platz für ein Vereinshaus mit Umkleidekabinen geschaffen. Während für Umkleidehäuser beim Sportstättenbau feste Baupläne vorliegen, bot sich für das angebaute Vereinshaus Gestaltungsspielraum. Helmut Hertel, Mitglied beim TSV und Architekt, legte dem Sportstättenbau einen Entwurf vor. Dieser wurde genehmigt und im Zuge des Sportanlagenumbaus umgesetzt. Im März 2017 wurde der Bau begonnen, im Dezember 2017 war er abgeschlossen. Das Ergebnis ist nun eine sehr schöne neue und funktionale Sportanlage in Groß Borstel. Billig war das alles nicht. Die ganze Anlage hat 1,5 Millionen Euro gekostet. 120.000 Euro hat der Bezirk Nord übernommen, 50.000 der Hamburger Sportbund. 18.000 Euro kamen als Spenden von Vereinsmitgliedern hinzu. 120.000 Euro hat der Verein als Darlehen aufgenommen. Den Rest, also den weitaus größten Anteil, haben Vereinsmitglieder in Eigenleistung erbracht – indem sie selber Hand anlegten.

Das ist eine Investition für die Zukunft“, sagt der Vereinsvorsitzende Georg Schulz. “Wir denken nicht so sehr ans Jetzt, sondern daran, was in 20 Jahren sein wird und was dann gebraucht wird. Nach der Fertigstellung der Wohnungen am Tarpenbek-Ufer rechnen wir mit einigen Neuzugängen. Schließlich werden viele junge Familien einziehen. Auch der neue Kunstrasenplatz zieht neue Mitglieder an. Das spüren wir jetzt schon.“

Geführt wird der TSV von einem siebenköpfigen ehrenamtlichen Präsidium. Es gibt auch einige hauptamtliche Übungsleiter, doch die meisten Trainer arbeiten ebenfalls ehrenamtlich. „Wir könnten noch viel mehr Trainer und Leiter für die Jugendmannschaften brauchen“, sagt Peter Schwarzmayr, der seit 1963 dem TSV angehört und seit einigen Jahren Leiter der Jugendabteilung des TSV ist. „Wer Lust hat hier mitzumachen – bitte bei uns melden.“ Vor vier Jahren wurde Peter Schwarzmayr vom Hamburger Fußballverband für sein langjähriges Engagement in der Jugendarbeit ausgezeichnet.

 

Das neue Vereinshaus sieht der Vorstand des TSV keinesfalls nur für seine Mitglieder reserviert, im Gegenteil: „Wir hoffen, dass viele Groß Borsteler mal bei uns vorbeikommen, am Wochenende vielleicht bei den Fußballspielen zuschauen oder hier mit einer Erfrischung eine Pause beim Spaziergang einlegen,“ lädt Georg Schulz alle Groß Borsteler ein. Anfang Juni wurde das Gelände offiziell eingeweiht.

Das neue Vereinshaus bietet auch neue Sport-Möglichkeiten. So gibt es im 1. Stock eine Übungshalle, die jetzt schon von einer neuen Yoga-Gruppe genutzt wird. „Wir wollen das Angebot um einige neue Sparten erweitern, zum Beispiel Inliner, Tai Chi und ähnliche Sportarten, mit denen wir auch Jüngere ansprechen.“

Inzwischen stehen aber schon wieder ganz neue Aufgaben an: Die Mitglieder des TSV und des Fußballclubs Weiß-Blau von 1963, der seinen Platz am Weg beim Jäger hat, haben sich für eine Fusion der beiden Sportvereine ausgesprochen. Ende Juni soll die neue Satzung in einer gemeinsamen außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen werden. Das wird nur noch als Formsache betrachtet. Der neue Verein soll den Namen SV Groß Borstel 1908 tragen und wird mit etwa 1000 Mitgliedern schon eine beachtliche Größe haben. Das Hamburger Abendblatt hat bereits über den neuen Platz in Groß Borstel und die Fusion der beiden Vereine berichtet. Auch die Sportstätte von Blau-Weiß am Weg beim Jäger soll dann bald modernisiert werden. Neben einem Kunstrasenplatz und neuen Funktionsgebäuden soll auf dem Gelände auch eine neue Turnhalle gebaut werden. Groß Borstel wächst, auch auf sportlichem Gebiet.

André Schulz