Als der langjährige Vorsitzende Wolf Wieters Anfang 2015 das Amt des 1. Vorsitzenden abgab, war er schon zwei Jahre länger im Amt als er selbst wollte. Es hatten sich zur Wahl zwei Jahre zuvor trotz intensiver Bemühungen keine Kandidaten gefunden. Auf der Hauptversammlung im Februar 2015 stellte sich Hans-Heinrich (genannt Heio) Nölke zur Wahl, betonte dabei aber, dass er sich als „Übergangspräsident“ verstehe und allenfalls für eine Amtsperiode bereit stehe. Die läuft nun im Februar 2017 aus und die Bemühungen vieler, eine nachhaltige personelle Lösung zu finden, sind bisher (noch) nicht von Erfolg gekrönt. Erschwerend hinzu kommt, dass auch für einige weitere Vorstandsposten im Februar 2017 die bisherigen Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung stehen.

Tatsächlich wurden in dieser Situation auch Szenarien für realistisch gehalten, die auf eine Auflösung des Kommunal-Vereins (KV) hinausliefen. Denn ein „kopfloser“ Verein kann allenfalls noch verwalten, aber nicht mehr gestalten. Doch Groß Borstel gibt nicht so schnell klein bei und der KV hat in den 127 Jahren seines Bestehens schon einige Krisen gemeistert. Warum nicht auch diese, fragten sich der Vorsitzende und der Sprecher des Schlichtungsausschusses und luden die Spitzen des Kommunal-Vereins und weitere wichtige Repräsentanten Groß Borstels zu einem ersten Krisenlösungsgespräch ins Stavenhagenhaus ein. Dabei ging es zunächst einmal um eine Analyse der Situation. Was könnten neben jeweils persönlichen Motiven von Angesprochenen, die nicht verhandelbar sind, objektive Gründe dafür sein, dass sich keine Kandidaten finden? Die folgenden Aspekte wurde erörtert:

  • die viele, zum Teil sehr kleinteilige Arbeit, die Wahrnehmung von vielen Terminen, die starke Fokussierung auf die Person des ersten Vorsitzenden,

  • die Belastung durch Kritik aus den Reihen der Mitglieder, Konflikte innerhalb des KV,

  • der Frust in der Zusammenarbeit mit den Behörden; die wiederkehrende Erkenntnis in der Vorstandsarbeit mit den Behörden, dass der KV nur als Erfüllungsgehilfe der Bezirkspolitik eingespannt wird,

  • die Wahrnehmung von potentiell an der Übernahme des Amtes Interessierten, dass der Verein „zu tutig“ sei,

  • die Erfahrung, dass man mit neuen Ideen und alternativen Vorschlägen am Establishment des KV scheitert.

Vor diesem Hintergrund wurden eine Reihe von Zukunftsideen zur Gestaltung der KV-Arbeit entfaltet. Sie lassen sich in drei Konzeptvorschlägen zusammenfassen, wobei mit jedem einzelnen auf verschiedene Aspekte der oben genannten Analyse eingegangen wird:

„Triumvirat“

Um die Fokussierung auf die oder den Vorsitzenden aufzulösen, könnte an eine erweiterte Vorstandsspitze gedacht werden. Ob man dabei den Weg einer Doppelspitze, eines Triumvirats oder eines Quartetts geht, wäre in den weiteren Diskussionen zu klären. Auf jeden Fall sollten den Mitglieder der gemeinsamen Führungsspitze Zuständigkeitsbereiche zugeordnet sein. Ob für eine solche Lösung eine Satzungsänderung erforderlich wäre, müsste ebenso in weiteren Verlauf herausgefunden werden.

Nutzung des Satzungsinstituts der Ausschüsse

In eine ähnliche Richtung zielt der Vorschlag, das Satzungsinstitut der Ausschüsse (s. § 10) stärker zu nutzen. Es könnten Ausschüsse zu permanenten und zu temporären Themen eingerichtet werden (Verkehr, Kommunalpolitik, Kooperation in Groß Borstel, Stadtteilkultur, Vergnügen usw.). Die Sprecherinnen und Sprecher der Ausschüsse wären im Vorstand, gegenüber der Mitgliedschaft und nach außen für das Aufgabengebiet verantwortlich. Der oder die Vorsitzende nähme in erster Linie Moderations- und Koordinierungsaufgaben wahr.

Stärkung der kommunalpolitischen Komponente

Um aus der Rolle des Erfüllungsgehilfen für die Kommunalpolitik herauszukommen, müsste der KV sein eigenes kommunalpolitisches Gewicht stärken. Das könnte z.B. geschehen, indem der KV bei der kommenden Bezirksversammlungswahl ggf. im Verein mit weiteren Bürgervereinen oder anderen Nichtregierungsorganisationen im Verbund einer Wählergemeinschaft zur Wahl antritt. Freie Wählergemeinschaften spielen bisher in Hamburg – auch im Unterschied zu anderen Bundesländern – keine Rolle. Vielleicht ist es an der Zeit der etablierten Politik auf diesem Weg zu einer stärkeren Berücksichtigung der Bürgerinteressen vor Ort zu verhelfen.

Wichtig zu betonen ist, dass nichts zu Ende gedacht wurde. Es handelt sich um erste Ideen und Entwürfe. Man ist offen für weitere und interessiert an vertiefender Diskussion. Das Gespräch soll am 20. Oktober um 18 Uhr im Stavenhagenhaus fortgesetzt werden. Mitglieder und auch Nichtmitglieder sind herzlich eingeladen, teilzunehmen.

Helmut Vogt