Paul Heinrich Ferdinand Storm (29.01.1880, Hamburg – 10.02.1951, Hamburg), Hamburger Landschaftsmaler

Selbstbildnis

Storm studierte an der Akademie in München und war Meisterschüler bei Carl von Marr (1858-1936) von 1902 bis 1909. Im Sommersemester 1906 ging er an die Akademie Dresden zu Carl Bantzer (1857-1941), der ihn sehr prägte und in die Malerkolonie Willinghausen einführte.

Carl Ludwig Noah Bantzer war ein vom Impressionismus stark beeinflußter Maler, Hochschullehrer und Kunstschriftsteller. Er hatte den französischen Impressionismus, den er durch seinen Studienaufenthalt vom Januar bis März 1890 in Paris vertiefen konnte, in Willinghausen (Schwalm)1 eingeführt. Seit 1887 war er Mitglied der dortigen Malerkolonie.

 

Die Willinghäuser Malerkolonie war die älteste Künstlervereinigung in Europa. Die der Heimatkunst gewidmeten Sujets wurden damit schon vor der 1830 gegründeten Malerkolonie Barbizon (Frankreich/ in der Nähe von Fontainebleau) durch Gerhardt Wilhelm von Reutern (1794-1863) und Ludwig Emil Grimm (1790-1863) aufgegriffen (1824). Die Willinghäuser Malerkolonie entwickelte sich schnell zu einem Studienort internationaler Künstler.

Die Landschaftsmalerei und die Darstellung von bäuerlichen Genreszenen unter Einbindung der Trachten wurden in der deutschen Malerei bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts vernachlässigt und nun von den Malern in Willingshausen erstmals in den Mittelpunkt ihres Schaffens gestellt. Caspar David Friedrich (1774-1840), Carl Blechen (1798-1840), Moritz von Schwind (1804-1871) griffen entscheidend in die weitere Entwicklung dieser Malerei ein und schufen mit ihren Werken einen bis heute nachvollziehbaren Höhepunkt.

Nach dem Bantzer sich den Willinghauser Malern angeschlos­sen hatte, holte er in den Folgejahren Hunderte seiner Schüler nach. Einer darunter war der Hamburger Landschaftsmaler Paul Heinrich Ferdinand Storm, der 1906 zum ersten Mal in die Künstlerkolonie kam.

Storm war nach seinem Studium ab 1909 als Maler in Hamburg tätig, zwischen 1914 und 1918 gehörte er zum Landsturm, danach arbeitete er freischaffend, und ab 1921 erhielt er Aufträge für Lehrtätigkeiten. So unterrichtete er als Gewerbelehrer für Modezeichnen an den staatlichen Schulen für Frauenberufe und an der Berufsschule Altona sowie am Seminar für Gewerbelehrerinnen in Postdam. Ab 1912 zählte er zu den Mitgliedern im „Hamburger Künstlerclub von 1832“2.

Im Gehölz FK

Seine landschaftlichen Motive suchte Storm natürlich in Willinghausen, wo er sich in den Sommermonaten von 1927 bis 1938 aufhielt, aber auch in Hamburg, Schleswig-Holstein und Sylt sowie in seinem Sommerhaus in Groß Borstel. Hier besaß die Familie ein großes Haus am „Weg beim Jäger“, in dem Paul mit seiner Lebensgefährtin Charlotte West und seinen drei unverheirateten Schwestern lebte. Diese sorgten dafür, dass das Haus in Groß Borstel allgemein als „Hexenhaus“ bezeichnet wurde. So ganz unberechtigt war es wohl nicht, denn eine Hochzeit ihres Bruders wußten sie sehr gut zu verhindern. Allerdings schlug das Schicksal 1939 sehr hart zu. Paul erlitt einen Schlaganfall und war fortan gelähmt. Erst 1947, nach dem Ableben der drei „Hexen“, heiratete er seine Lebensgefährtin Charlotte. Sie war es, die ihn bis zu seinem Tod 1951 pflegte und sein Erbe und Andenken allen Widrigkeiten zum Trotz erhielt.

1956 kam Charlottes Neffe Georg in das Haus. Bis zu ihrem Ableben 1988 hat er sich um sie gekümmert und einen Teil der Werke seines Onkels übernommen. In diesem Jahr entschloss er sich, dem Kommunal-Verein im Andenken an die Groß Borsteler Bürger Paul und Charlotte Storm vier Bilder zu schenken, die nicht nur einen kleinen Einblick in die Malerei des Künstlers geben, sondern ebenfalls Einsicht in Haus und Garten im „Weg beim Jäger“ gewähren. Wir freuen uns über die Werke und bedanken uns herzlich.

Der Vorstand des Kommunal-Vereins wird versuchen, einen angemessenen Platz für die Bilder im Stavenhagenhaus zu finden. Wenn Sie dann einmal Lust haben, dem Maler Paul Storm von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen, dann kommen Sie und schauen selbst. Wir wünschen dabei viel Vergnügen.

1Die Schwalm ist eine naturräumliche Landschaft innerhalb der Westhessischen Senke, die zugleich das kleinste Becken innerhalb dieses Naturraumes ist. Sie ist benannt nach dem Fluss Schwalm, an dessen Mittellauf sie liegt. Im Osten wird die Schwalm durch das Knüllgebirge, im Süden durch nördliche Ausläufer des Vogelsberges und im Westen durch die Gilserberger Höhen begrenzt. Im Norden geht der Naturraum Schwalm in die Landsburger Senke über.

2Der Hamburger Künstlerverein von 1832, auch Hamburger Künstler-Verein, wurde unter dem Namen Klub Hamburgischer junger Künstler am 17. September 1832 gegründet und existierte bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

B.P.