Der kleinste Schachclub Hamburgs – „Gesellschaft für Schach und Spielkultur“

Hamburg hat etwa 40 Schachvereine, darunter mit dem Hamburger Schachklub von 1830 einen der ältesten Deutschlands. Mit etwa 680 Mitgliedern ist der HSK zugleich auch der mitgliedsstärkste deutsche Schachverein. Der jüngste Hamburger Schachverein hat seinen Sitz in Groß-Borstel, und er ist mit, streng genommen, sieben offiziellen Mitgliedern auch der kleinste Hamburger Schachklub.

Gegründet wurde der Verein 2011 von sieben Gründungsmitgliedern, so wie das Vereinsrecht es vorsieht. Seitdem hat sich die Mitgliederzahl nicht dramatisch vergrößert. Immer mittwochs, zweimal im Monat, trifft man sich in Groß-Borstel. Mit dem Stavenhagenhaus hat der kleine Klub allerdings eines der schönsten Klublokale in Hamburg.

Die Idee zur Gründung hatte Thomas Stark, der auch noch beim Hamburger SK und bei den „SC Schachelschweinen“ Turnierschach spielt. Neben dem Vereinsschach gibt es in Deutschland zudem eine aktive Betriebsschachgemeinde, die ebenfalls Wettkämpfe austrägt. Auch hier ist Thomas Stark aktiv und spielt für die Schachgruppe des Medienhauses Gruner und Jahr, ebenso wie einige andere Mitglieder des Groß Borsteler Schachclubs. Früher hat er für Gruner und Jahr auch gearbeitet, inzwischen ist die Hamburger Schach-Softwareschmiede ChessBase sein Arbeitgeber.

Bei so vielen Gelegenheiten zum Schachspiel – wieso dann noch ein weiterer Schachclub? „In den großen Vereinen steht oft nur noch der sportliche Aspekt im Vordergrund. Das gesellige Zusammensein, um über das gemeinsame Hobby zu sprechen, oder auch mal über ganz andere Dinge, die einen verbinden, ist etwas verloren gegangen. Ich wollte mich einfach locker beim Schach mit ein paar netten Leuten treffen“, erklärt Thomas Stark die Idee zur Gründung dieses besonderen Schachklubs.

Da man nicht am Spielbetrieb des Hamburger Schachverbandes teilnehmen wollte, verzichtete man auf den Eintrag ins Vereinsregister. Die „Gesellschaft für Schach und Spielkultur“ verzichtet auch auf andere Dinge, zum Beispiel einen Mitgliedsbeitrag. Das Spielmaterial wurde per Umlage angeschafft und auch die Mietkosten im Stavenhagenhaus werden einmal im Jahr über eine Umlage der regelmäßigen Besucher des Spielabends beglichen. Gäste sind willkommen und müssen sich auch nicht unbedingt an den Unkosten beteiligen.

Der Vereinsabend beginnt stets um 19 Uhr, um 22 Uhr ist Schluss. Was dazwischen geschieht, wird ganz spontan beschlossen. Manchmal führt einer der Schachfreunde eine selbst gespielte Partie vor. Oder man versucht, gemeinsam aus einer historischen oder aktuellen Meisterpartie zu lernen. Wenn gerade ein großes Turnier gespielt wird, oder vielleicht sogar ein Weltmeisterschaftkampf, dann schaut man den laufenden Partien auch gerne einmal live zu. Die Notationen der Partien von internationalen Top-Turnieren werden alle im Internet live übertragen, und so kann man überall dabei sein, egal ob das Turnier in Reykjavik, Moskau, New York, London oder Berlin gespielt wird, und selber über die besten Züge nachdenken.

Gelegentlich sind auch prominente Gäste zu Besuch. Der ChessBase Verlag produziert unter anderem Schachlektionen im Videoformat, aufgenommen von Schach-Großmeistern. Wenn es zeitlich passt, kommen sie gerne nach Groß Borstel, schauen sich den „schönsten Schachklub Hamburgs“ an und geben den anwesenden Schachfreunden kostenlosen Privatunterricht. So waren schon der mehrfache Deutsche Meister Thomas Luther und die beste deutsche Schachspielerin Elisabeth Pähtz im Stavenhagenhaus zu Besuch. Natürlich wird hier auch richtig Schach gespielt. Keine langen Partien, dafür reicht die Zeit nicht, aber die im Schach gerne praktizierten Blitzpartien, mit 5 Minuten Bedenkzeit für jeden Spieler, sind auch hier sehr beliebt.

Wer sich für Schach interessiert, kann gerne einmal reinschnuppern: Termine gibt es hier: schachundspielkultur.wordpress.com oder bei Thomas Stark per Mail: schach-stavenhagenhaus@online.de

André Schulz

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