Hattest du schon deinen Arzttermin?“ – „Ja, endlich. War aber erst Blutabnahme. Ich komm’ ja kaum noch die Treppe hoch!“ Kunden und ehrenamtliche MitarbeiterInnen kennen sich hier, vor dem Holzpavillon zwischen Rewe und dem Wohnheim der Heilsarmee in der Borsteler Chaussee. Da werden auch schon mal private Sätze ausgetauscht. Klaus steht seit 4 Jahren fast jeden Mittwoch vor der Tür und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. „Die 94, bitte“! Eine junge Frau mit Hackenporsche und ihrer kleinen Tochter im Schlepptau wird in den Pavillon gelassen. Eintragen in die Liste, vielleicht auch den neuen Leistungsbescheid vorlegen, einen Euro Kostenbeitrag geben, noch einen kleinen Schnack und dann kann sie an der langen Tischreihe entlanggehen und „einkaufen“, Lebensmittel für die ganze Familie erhalten, Gemüse, Obst, Fertigprodukte, Tiefkühlprodukte, je nach Angebot. Vier bis sechs ehrenamtliche MitarbeiterInnen stehen hinter den Tischen, beraten und geben die Ware aus.

Dies also ist der „Borsteler Tisch“, die Lebensmittelausgabe für Bedürftige aus Groß Borstel, Eppendorf, Alsterdorf, Winterhude und Lokstedt. Die Ware kommt von der „Hamburger Tafel“, aber auch von Geschäften in Groß Borstel und Winterhude, und sie reicht häufig nicht ganz aus. Rund einhundert Kunden kommen jeden Mittwoch zwischen 13:00 und 15:00 Uhr zur Lebensmittelausgabe. Doch wir unterstützen viel mehr Menschen, denn viele Kunden holen die Lebensmittel nicht nur für sich, sondern auch für ihre Familien. Eine Kleiderkammer ist auch vorhanden und einmal im Monat gibt es kostenlose Rechtsberatung.

Vormittags fahren wir mit dem Kleintransporter der Heilsarmee in die Zentrale der Hamburger Tafel in Bramfeld und holen einen großen Teil der Lebensmittel direkt ab, anderes wird angeliefert, und anschließend werden die Lebensmittel sortiert, in kleinere Portionen abgepackt und zur Ausgabe vorbereitet. Es ist ein großes Glück, dass wir den Transporter der Heilsarmee zur Verfügung haben. Das erleichtert vieles. Überhaupt ist die Heilsarmee für den Borsteler Tisch ein Glücksfall, stellt sie doch auch den Raum zur Verfügung, leistet logistische und personelle Unterstützung und bietet den rechtlichen Rahmen für unser ehrenamtliches Engagement.

Und das alles machen wir jetzt schon seit 4 Jahren. Im April 2013 wurde der „Borsteler Tisch“ eingerichtet. Da waren wir über 30 MitarbeiterInnen. Jetzt sind wir 20 bis 25 Ehrenamtliche. Viele Tonnen Lebensmittel haben wir ausgegeben. Die Organisation ist professioneller geworden, das Angebot etwas vielfältiger, die Zahl der Bedürftigen ist gestiegen. 160 Namen stehen auf der Liste, aber nicht alle kommen jede Woche. Die Arbeit (ja, unser ehrenamtlicher Einsatz ist auch Arbeit) lohnt sich, es wird viel gelacht, manchmal geschimpft, doch wir nehmen auch viel mit: wir erfahren Neues über das Leben, erfahren Bestätigung, haben Kontakte, leisten eine sinnvolle, befriedigende Arbeit.

Und doch: Der „Borsteler Tisch“ ist gefährdet. Erkrankungen, Aufhören aus Altersgründen, Enkel betreuen, Reisen, solange man noch reisen kann und will, es gibt viele gute Gründe, mal nicht oder nicht immer zu kommen oder auch ganz auszuscheiden. So sind wir jetzt zwar 4, aber auch „in die Jahre gekommen“ und suchen neue ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen! Wir suchen SIE!

Damit Sie uns und die Aufgaben unverbindlich, aber doch etwas besser kennenlernen können, laden wir zu einem Kaffeetrinken ein:

Dienstag, 25.April 2017, 15:00 – 17:00 Uhr im Stavenhagenhaus, Frustbergstraße 4, 22453 Hamburg.

Wenn Sie zuvor weitere Informationen haben möchten, rufen Sie doch gerne Inge Dahnke an. Tel: (040) 46 15 29. Es wäre schön, würden Sie unter dieser Telefonnummer auch Ihre Teilnahme am Kaffeetrinken mitteilen, das erleichtert uns die Organisation.

Wolf Lüders