Die Hildegard und Horst Röder Stiftung

Im Jahr 1891 bauten Hamburger Freunde des Pferde-Rennsports in Groß Borstel eine Pferderennbahn. Die dort regelmäßig durchgeführten Pferderennen zogen viele Besucher aus Hamburg und Umgebung, aber auch aus größerer Entfernung an. 1911 besuchte sogar Kaiser Wilhelm II die Groß Borsteler Rennbahn. Ihm zu Ehren wurde zusätzlich zu den vorhandenen Gebäuden und Tribünen eigens ein Kaiser-Pavillon errichtet.

In der näheren Umgebung der Rennbahn entstanden Stallungen zur Unterbringung der Pferde und natürlich auch Gebäude für das Pflegepersonal oder Gäste. Einige begüterte Hamburger fanden die Umgebung der Rennbahn so einladend, dass sie sich am Rande der Straße Weg beim Jäger – eines alten Post- und Heerweges am Wäldchen „Jäger“ und am Borsteler Moor vorbei – Wohnhäuser errichteten. So entstanden hier in der Zeit bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges eine Reihe von stattlichen Villen, von denen viele die Zeit überdauert haben

Schaut man in Richtung Sportallee, so befinden sich ziemlich am Ende Bebauung mit Wohnhäusern die zwei Jugendstilvillen mit den Nummern 147 und 149. Die beiden Häuser sind mit dem Namen von Horst und Hildegard Röder verbunden. Das Haus Nummer 149 war seit den 1970er Jahren das Wohnhaus des Ehepaares. Das Haus Nummer 147 kauften sie vermutlich später für ihre Stiftung hinzu.

Horst Röder war das, was man in den USA einen „Selfmademan“ nennen würde. Durch Tatkraft, Fleiß und mit den richtigen Ideen zur richtigen Zeit führte er erfolgreich eine Firma, die Horst Röder & Co KG. Horst Röder wurde am 31. Juli 1921 geboren, vermutlich in Hamburg, doch genau weiß das niemand mehr, denn Horst und Hildegard Röder hinterließen keine Angehörigen, die darüber noch Auskunft geben könnten. Nach einer kaufmännischen Ausbildung gründete Horst Röder unmittelbar nach Kriegsende ohne fremde Hilfe eine Kauf- und Tauschbörse. Die Zentrale befand sich in einem Untermietzimmer in der Eppendorfer Isestraße. Sein Organisationssystem war ein Zettelkasten, sein Marketinginstrument ein Telefon.

Schon bald danach hatte Horst Röder mit Blick auf den wachsenden Autoverkehr den richtigen geschäftlichen Riecher und begann mit dem Import von Autoteilen, dann Zweiradartikeln, Campingzubehör und Elektroartikeln aus verschiedenen Ländern Europas. Später baute er seine Geschäftsbeziehungen bis nach Asien aus. Nachdem für den Betrieb von Pkw- und Lkw-Warnlampen vorgeschrieben wurden, verschaffte sich Horst Röder den Status eines Generalimporteurs und kaufte die komplette Produktion eines Herstellers in Hongkong auf. Später legte er den Schwerpunkt seiner Im- und Exportfirma auf den Vertrieb von Werbe- und Geschenkartikel für Firmen.

Horst Röder wurde am 31. Juli 1921 geboren, vermutlich in Hamburg, doch genau weiß das niemand mehr.

Anfang der 1960er Jahre lernte Horst Röder seine Frau Hildegard kennen, als er einen von ihr geleiteten Spanisch-Kurs besuchte. Sie war gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und Übersetzerin und unterstützte ihren Mann nach der Heirat bei seinen geschäftlichen Unternehmungen nach Kräften und sehr konkret: Sie erledigte unter anderem die Geschäftskorrespondenz und übersetzte Bedienungsanleitungen.

1964 unternahm das Paar ausgedehnte Reisen nach Indien, Thailand, Taiwan, Hongkong und Japan und knüpfte neue Geschäftskontakte. Die Kontakte wurden über das rein Geschäftliche hinaus gepflegt und nahmen oft freundschaftlichen Charakter an. Bei Gegenbesuchen wurden die Geschäftsfreunde zu Röders nach Hause eingeladen und von Hildegard Röder bekocht. Die Roeder & Co KG florierte und hatte in ihrer besten Zeit bis zu 50 Mitarbeiter.

Im Jahr 1976 kauften Hildegard und Horst Röder die Villa am Weg beim Jäger 149 und nahmen das Haus als Hamburger Wohnsitz. Darüber hinaus besaß das Paar noch einen Zweitwohnsitz in Bad Gastein und pendelte zwischen den beiden Orten hin und her. Die Villa Nr. 149 war 1912 als Neubau mit zwei Stockwerken, einem Keller und Dachgeschoss für einen Herrn H. C. Schmidt erbaut worden. Das Ehepaar Röder kaufte die Villa von einem Herrn Bayer. Das Haus Nr. 147 gleich daneben gelangte vermutlich erst später in den Besitz der Röders.

Durch geschicktes Anlegen seiner geschäftlichen Erträge an der Börse mehrte Horst Röder sein Vermögen und übertrug es schließlich der 1992 gegründeten Hildegard und Horst Röder Stiftung. Hildegard und Horst Röder war es nicht vergönnt, Kinder zu haben, ein Schicksal, dass sie mit vielen anderen Paaren teilten, die im Alter ohne familiäre Unterstützung auskommen müssen. Hildegard und Horst Röder waren sich darüber bewusste, dass sie ihr Leben größtenteils auf der Sonnenseite zugebracht hatten und wollten von ihrem Erfolg etwas zurückzahlen. Ihre Stiftung half vor allem älteren, bedürftigen, kranken oder behinderten Menschen.  2010 errichtete die Röderstiftung zusammen mit der Sinus e.V. in der Saarlandstraße eine nach modernsten Erfordernissen gestaltetes Sterbehospiz. Daneben steht die Stiftung auch vielfach für Einzelfallhilfen bereit, auf direktem Weg oder über Hilfsorganisationen. Zu Weihnachten organisiert die Röder Stiftung zusammen mit dem Arbeiter Samariter Bund für einsame Senioren in der Innenstadt ein gemeinsames Weihnachtsessen. Im Laufe von über 30 Jahren ihrer Aktivität wurde die Stiftung zu einem festen Bestandteil im Hamburger Sozialleben.

1995 verkaufte Horst Röder sein Unternehmen. Seine Frau Hildegard wurde 2010 pflegebedürftig und von ihrem Mann bis zu ihrem Tode am 25. Juli 2011 gepflegt. Das Ehepaar war schon zuvor in eine Wohnung in die Elbschloss-Residenz umgezogen. Horst Röder starb am 2. September 2016.

Katja Krupke ist die Geschäftsführerin der Hildegard und Horst Röder Stiftung

Die Hildegard und Horst Röder Stiftung existiert aus den Renditen des Röder-Vermögens weiter und führt viele Projekte im Geiste des Ehepaar Röders durch.  Zunächst sorgte ein ehrenamtlicher Stiftungsvorstand für die Durchführung der Projekte und Bearbeitung der Anfragen. Seit 2020 kümmert sich Katja Krupke als hauptamtliche Geschäftsführerin um die Durchführung. Dabei hat die Hildegard und Horst Röder Stiftung ein ganz großes Projekt als neues Ziel vor Augen: die Realisierung eines „Röder-Dorfes“, eines generationsübergreifendes Wohn- und Nachbarschaftsprojektes, in dem benachteiligte Menschen die Infrastruktur zur gegenseitigen Hilfestellung finden.

André Schulz

Hildegard und Horst Röder Stiftung
info@roeder-stiftung.de
www.roeder-stiftung.de