Abfall-Sortieranlage auf dem Strüver-Gelände

Groß Borstels alte und neue Probleme

“… der Stadtteil Groß Borstel ist ein wesentliches Hamburger Kulturgut” und “… es ist gesamthamburgisches Interesse, Groß Borstel vom Durchgangsverkehr zu entlasten”! Das erklärten u.a. im Sommer vergangenen Jahres Vertreter der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) sowie des Bezirksamtes www.Nord gegenüber dem Vorstand des Kommunal-Vereins.

Bei so viel behördlicher Fürsorge ist Vorsicht geboten, da auf solcherlei Sympathiebekundungen meist gegensätzliches Handeln folgt. Wer erinnert sich noch an den Senatsbeschluss, der Groß Borstel schon einmal vom Durchgangsverkehr entlasten sollte? Mit dem danach folgenden Beschluss zum Durchbau Papenreye wurde dann das genau Gegenteil erreicht.

Mit der gebotenen Skepsis also nahm der Kommunal-Verein die oben zitierte Erklärung der Behördenvertreter zur Kenntnis. Zu Recht, wie sich herausstellen sollte: Schon im November 2006 wurde der Basar der Nationen eröffnet, und seit Dezember 2006 gibt es als weitere “Bereicherung” für den Stadtteil den Betrieb einer Abfall-Sortieranlage auf dem Strüvergelände. Nach Güterumgehungsbahn und Basar der Nationen also ein weiteres Problemfeld in Groß Borstel.

Aufgrund der massiven Proteste erklärte sich das Amt für Umweltschutz der BSU dann bereit, zu möglichen Fragen im Rahmen einer Anhörung Stellung zu nehmen und zuvor Akteneinsicht zu gewähren. Darüber hinaus informierten die Betreiber vor Ort u.a. über Verkehrsaufkommen, Containerumschlag, Abwasserreinigung und Betriebsabläufe. Das Hauptaugenmerk richtete sich danach auf die genehmigten Umschlagsmengen und umzuschlagenden Stoffe, auf die zu erwartenden Lärm-, Staub- und Geruchsemissionen sowie auf die zusätzliche Gewässerbelastung der Tarpenbek.

Die Anhörung am 6. Februar war also in jeder Hinsicht gut vorbereitet, als der erste Vorsitzende des Kommunal-Vereins, Herr Wieters, die zwei Vertreter des BSU, die beiden Betreiber der Anlage und die sehr zahlreich erschienen Groß Borsteler begrüßte. Er hatte dann die undankbare Aufgabe, die zeitweilig hochgehenden Wogen im Frage- und Antwortspiel zu glätten, und es wurde im Verlauf des Abends immer deutlicher, das sich der Unmut hauptsächlich auf das Fehlen verbindlicher Pläne für eine nachhaltige Stadtteilentwicklung richtete. So ist das Strüvergelände noch heute als Industriegebiet ausgewiesen und nicht zum Gewerbegebiet herabgestuft worden, obwohl dort seit vielen Jahren nur noch Kleingewerbe und Büros angesiedelt sind.

Folge: Bezirk und BSU prüfen lediglich die gesetzlichen und behördlichen Auflagen, die eine Abfall-Sortieranlage im Industriegebiet erfüllen muss. Sind diese erfüllt, ist die Behörde verpflichtet, sie zu genehmigen. Solange der Bezirk also keine Herabstufung zum Gewerbegebiet vornimmt, können sich weitere Unternehmen dieser Art ansiedeln und das vorhandene Kleingewerbe vertreiben.

Ein schwacher Trost: Die BSU wird berechtigte Bedenken zum Genehmigungsbescheid der Abfall-Sortieranlage abschließend berücksichtigen. Was allerdings die nachhaltige Stadtteilentwicklung angeht, da wird noch viel Druck notwendig sein, bevor sich die hier zuständigen Behörden bewegen, denn weitere Probleme sind vorprogrammiert: Das Gensler-Projekt, das zur Zeit ruht, das Vendor-Village-Projekt, das als Verkaufseinrichtung mit einem möglicherweise weiteren Basar Groß Borstels Norden beglücken würde, die Erweiterung des Geländes der Lufthansa-Technik. Das Problem der Zu- und Abfahrten ist zwar z. Zt. gelöst, sollte es aber wider Erwarten zu Verkehrsengpässen kommen, dann wird Groß Borstel ein weiteres Mal vom Durchgangsverkehr “entlastet”. Wie das funktioniert, wissen wir bereits (siehe oben).

H. Balzen

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