– Themenabend nach der Mitgliederversammlung des Kommunal-Vereins am 14.03.2018 gegen 20.30 Uhr – 

Kennen Sie die U-Bahn Linie 5? Haltestelle am Rosenbrook und Klotzenmoor, weiter über die Stationen Am Licentiatenberg bis zur Lufthansabasis? Die Line 5 ist der Vorschlag, der auf der Webseite liniefuenf.de der Stadtplaner von nexthamburg vorgestellt wird. Mit der sympathischen Erweiterungsoption bis zur Haltestelle Kaltenkirchen – sobald der Flugplatz dort endlich fertig ist. Sinn des Vorschlags: Groß Borstel bei weiterer Nachverdichtung besser an den öffentlichen Nahverkehr anzuschließen.

Öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV) ist ein wesentlicher Bestandteil vernünftiger Stadtplanung. Groß Borstel bekommt durch Neubauten in den nächsten Jahren etwa 3.000 neue Einwohner. Die Bevölkerungszahl wächst schnell um etwa 35 Prozent. Uns steht neben einem selten genutzten Schnellbus 34 eigentlich nur die Buslinie 114 zur Verfügung. Das ist stadtplanerisch ähnlich desaströs, als hätte man beim Bau eines neuen Stadtteils die Straßen dorthin vergessen.

Besonders häufig kritisieren die Borsteler die Verkehrsverbindung am Abend oder an Wochenenden und Feiertagen. Dann kommt der Bus nur alle 20 Minuten. Was das bedeutet, erlebt man am Lattenkamp. Erreicht man mit der U-Bahn die Station rechtzeitig, dann sieht man den Bus leider oft schon abfahren und kann in der Kälte oder bei Regen mindestens 20 Minuten über tolle Verkehrsanbindungen nach Groß Borstel nachdenken.

Wenn wir morgens oder abends im Berufsverkehr in den Bus steigen, um über Lattenkamp, Kellinghusenstraße in die Stadt zu kommen, dann sehen wir plastisch, dass die Verkehrsverbindungen heute schon auch ohne Bevölkerungszuwachs aus allen Nähten platzen.

Man kann zwar auch die Linie 23 von Warnckesweg nehmen, um dann Niendorf Markt in die U-Bahn umzusteigen. Ist aber ein Umweg. Genauso mit der Linie 281 vom Nedderfeld zu U-Bahn Hagenbek. Natürlich geht auch die Bus-Linie 5, die direkt in die Stadt fährt. Dazu muss man jedoch in der Lage sein, zunächst einen ordentlichen Fußmarsch zu bewältigen, um vom Zentrum Groß Borstels zur Haltestelle Nedderfeld West zu gelangen.

Und: Wer noch keine Klaustrophobie hat, lernt das Sardinengefühl kennen: Im Bus Nummer 5 spätestens ab Hoheluftchaussee.

Photoshop macht`s möglich.

Folge: Groß Borstel erstickt im Verkehr, genauer gesagt im motorisierten Individual Verkehr, von Verkehrsexperten treffenderweise auch MIV genannt. Unglaublich viele steigen ins Auto, um mal eben die Kinder zur Schule zu bringen, Brötchen zu holen, einzukaufen, essen zu gehen.

Klar, die reine Religion der Verkehrsspezialisten ist überzeugend einfach: aufs Fahrrad schwingen. Tatsächlich bewältigt das Fahrrad Strecken am umweltfreundlichsten, spart zudem den Beitrag fürs Fitnessstudio (Etwa zum Spinning – man sitzt auf einem Fahrrad und tritt auf der Stelle!).

Kopenhagen macht es vor. Deutlich mehr Regentage als Hamburg. Trotzdem über 50 Prozent des gesamten Personenverkehrs mit dem Fahrrad. Fahrradfahren in Groß Borstel erfordert Mut, Geschicklichkeit und ein gehöriges Maß an Stressresistenz. Mitten auf der Borsteler Chaussee? Darf man, geht auch, traut sich aber nicht jeder. Auf den Radwegen? Welche Radwege? Auf dem Fußweg? Verboten. Verkehrsflächenverbrauch: Auto, Fahrrad, Bus

Vergleichen wir die Verkehrsmittel, dann ersetzt ein voll besetzter Linienbus, selbst, wenn es kein großer Gelenkbus ist, sondern nur ein kleiner der 12-Meter-Klasse, ungefähr etwa 80 durchschnittlich besetzte Pkws. Autos vernichten eine überaus große Fläche in unseren Städten, und das nicht nur, wenn sie fahren. Geht man durch die schönen Wohnstraßen Groß Borstels, fallen einem große Blechmengen auf. Viele parkende Autos. Davon viele, die illegal auf dem Fußweg oder dem Straßenbegleitgrün stehen. Streckenplan der U-Bahn-Linie 5 U-Bahn-Line 5 hätte natürlich im Vergleich zu Bussen noch bessere Argumente, und zu Pkws sowieso: Ein Zug der modernen Baureihe DT5 ersetzt mindestens fünf Busse, verbraucht oberirdisch keine Verkehrsfläche, steht nicht im Stau, verdieselt nicht die Stadtteile, und die U5 könnte sogar Kaltenkirchen anschließen.

Uwe Schröder