stavenhagenhaus_3  Jahresrückblick 2012

Jahresberichte können nicht detailliert jedes Ereignis der zurückliegenden Monate darstellen. Deshalb sollen hier nur die Schwerpunkte des vergangenen Jahres skizziert und weitere Aktivitäten des Kommunal-Vereins kurz umrissen werden.

Zu den gesetzlich geforderten Regularien eines jeden Vereins gehört die jährliche Hauptversammlung, die bei uns im Februar stattfindet und mit der satzungsgemäßen Wahl der Hälfte der Vorstandsmitglieder und anderer Ämter verbunden ist. Da sich aus der Mitgliedschaft keine Kandidaten für Vorstandsämter zur Verfügung gestellt hatten, wurden am 8. Februar 2012 auf Vorschlag des Vorstandes für zwei Jahre gewählt: als  2.Vorsitzende Hildegard Springer, als 2. Schriftführer Dr. Hans-Heinrich Nölke, als 2. Schatzmeisterin Monika Scherf und als  2. Beisitzerinnen Traute Matthes-Walk, Christa Hinrichsen und Claudia Scheffler. Die bisherigen Rechnungsprüfer, die Herren Ruge und Schmage, die jeweils nur für die Dauer eines Jahres gewählt werden dürfen, wurden erneut gewählt. Für den turnusmäßig im Jahr 2011 gewählten Schlichtungsausschuss war für den verstorbenen Dr. Kraft eine Nachwahl vorzunehmen. Stefan Berg erklärte sich bereit zu kandidieren und wurde  – wie auch alle anderen Kandidaten – einstimmig gewählt.

Bei den Mitgliederzahlen gibt es seit Jahren ein gewisses Auf und Ab im Bereich oberhalb der Eintausend.  Nach einem Rückgang  2011 gab es im vergangenen Jahr wieder mehr Neueintritte bei weniger Todesfällen und Fortzügen  – meist aus Altersgründen -, so dass am 31.12.2012 der Kommunal-Verein 1050 Mitglieder hatte. Damit sind mehr als 13% aller Groß Borsteler Bürger bei uns organisiert, was dem Verein ein starkes kommunalpolitisches Gewicht verleiht.

Kommunale Angelegenheiten

Während sich das Jahr 2011 für Groß Borstel charakterisieren ließ als das Jahr, das endlich die ersehnte Bewegung auf dem Gebiet der Stadtteilentwicklung brachte, bewegten sich die in Angriff genommenen Vorhaben  und Projekte im gerade vergangenen Jahr vielfach eher auf der Stelle.

Zur Erinnerung: seit 2007 beschäftigen sich Bürger unseres Stadtteils mit diesem Thema im Gespräch mit der Verwaltung und den politischen Parteien. Ein gemeinsamer Antrag aller fünf in der Bezirksversammlung vertretenen Parteien führte schließlich im Juni 2010 zu einer zweitägigen Planungskonferenz. Das Jahr 2011 war dann bestimmt durch die Tätigkeit von vier aus der Konferenz hervorgegangenen Arbeitsgruppen.

Für die Arbeitsgruppe Wohnen beauftragte der Bezirk zwei Stadtplanungsbüros mit einem Gutachten “Handlungskonzept Wohnen in Groß Borstel”. Nach Vorgesprächen mit dem Kommunal-Verein wurde das Projekt auf einem Workshop im Mai 2011diskutiert und schließlich im November 2011 auf einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Es enthielt eine Reihe konkreter Vorschläge für eine Verdichtung der Wohnbebauung im Stadtteil, die mittel- und langfristig umgesetzt werden könnten. Sie wurden auch in die Broschüre ‚Wohnungsbauprogramm 2012 Bezirk www.Nord‘ aufgenommen und sollten nach und nach abgearbeitet werden.

Trotz dieser hoffnungsvoll stimmenden Ansätze kam es im Laufe des Jahres 2012 zu unerwarteten Rückschlägen. In einer ersten Bilanz im Oktober 2012 wurde mitgeteilt, dass insgesamt fünf Versuche der Stadtplanung, auf privaten Flächen eine Verdichtung der Bebauung mit ca. 130 neuen Wohnungen zu erreichen, am Widerstand der Grundbesitzer gescheitert sind. 

Das Bezirksamt Nord bearbeitet jetzt das Wohnungsbaupotenzial von ca. 170 neuen Wohnungen auf stadteigenen Flächen und ist darüber mit de Finanzbehörde im Ge-spräch, die die Vermarktungschancen bewerten und Strategievorschläge entwickeln muss.

Neben diesen Projekten der Binnenverdichtung beschäftigte den Kommunal-Verein während des ganzen Jahres das geplante Neubaugebiet “Tarpenbek Greens” auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Lokstedt, auf dem bis zu 750 Wohnungen errichtet werden sollen. 

Der Kommunal-Verein geriet hier in heftige Auseinandersetzungen, weil er nicht einverstanden war mit der als einziges geplanten verkehrlichen Anbindung des Gebiets über die Straße Kellerbleek, so dass er seine Zustimmung zu dem Projekt von der Schaffung einer weiteren Straßenverbindung abhängig machte. Er gewann die Parteien für eine entsprechende Prüfung, doch das schließlich vorgestellte Gutachten sollte offensichtlich zu einem negativen Ergebnis führen. Daraufhin bekräftigte der Kommunal-Verein seine ursprüngliche Position, nur dem Bau von 350 Wohnungen zuzustimmen (vgl. auch den Bericht über die Mitgliederversammlung vom 9.1.13 in diesem Heft).

Am häufigsten trat wie schon 2011 auch in diesem Jahr die Arbeitsgruppe Verkehr zusammen, um nach Lösungen für die schwierige Verkehrssituation in Groß Borstel zu suchen. Oberstes Ziel war eine nachhaltige Verkehrsberuhigung des Stadtteils. Die Arbeitsgruppe entwickelte sehr detaillierte Vorstellungen und Vorschläge, die im Bezirksamt vorgetragen und den in der Bezirksversammlung vertretenen Parteien übermittelt wurden. Hilfreich bei der Erreichung dieses Ziels wäre mit Sicherheit ein Verkehrsgutachten, das nicht nur den Stadtteil, sondern auch sein Umfeld betrachtet. Dem Bezirk fehlen dafür die Mittel, so dass es wohl bei Verkehrsuntersuchungen für einzelne Bereiche bleiben wird, während eine die ganze Stadt umfassende Verkehrsuntersuchung zwar in der Planung ist, aber noch einige Jahre auf sich warten lassen wird und außerdem die Metropolregion Hamburg als Ganzes im Blick haben soll. 

Die Arbeitsgruppe befasste sich mit den möglichen Auswirkungen auf den Verkehr bei den im Planungsstadium befindlichen Bauvorhaben “Tarpenbek Greens” (s.o.), Bauhaus-Erweiterung und Luftfrachtzentrum, wobei es nur bei dieser Frage eine positiv zu bewertende Kommunikation mit dem Flughafen gab, während das Bauhaus nicht zu einem Gespräch bereit war. Themen mit dem Ziel einer Verkehrsberuhigung waren die Einrichtung einer Tempo 30-Strecke auf der Borsteler Chaussee, zumindest aber im Umfeld der Carl-Götze-Schule und der Kita der St. Peter-Gemeinde und Maßnahmen zur Verhinderung oder zumindest Reduzierung von Gefahrgut- und Schwerlastverkehr auf den Durchgangsstraßen Groß Borstels. Diese Überlegungen und Forderungen wurden von den Parteien der Bezirksversammlung meist unterstützt, als Anträge formuliert und um weitere Themen ergänzt, z.B. die Verbesserung der Verkehrsanbindung des Stadtteils.

Leider wurde die Mehrzahl  dieser Anträge von der Verkehrsbehörde und vom HVV abgeschmettert, einige kursieren noch auf der politischen Ebene. Trotz dieser eher frustrierenden Erfahrungen wird die Arbeitsgruppe Verkehr sich weiterhin um die Verkehrsprobleme Groß Borstels kümmern. 

Die Arbeitsgruppe Wirtschaft hatte ihre Tätigkeit einfließen lassen in  das Projekt des professionellen “Büros für lokale Wirtschaft”, das mit Mitteln des ESF (Europäischer Sozialfonds) über zwei bis drei Jahre Einzelhandelsbetriebe und Dienstleistungs-Unternehmen in Groß Borstel beraten und fördern sollte. Leider reichte das Geld nur für ein Jahr, doch wurde das Projekt mehrfach in der Öffentlichkeit vorgestellt und brachte am Jahresende einen Standortflyer heraus, der im Scheckkartenformat über zahlreiche Einrichtungen des Stadtteils informiert. Die Arbeitsgruppe Wirtschaft will sich in diesem Jahr neu konstituieren.

Mehrfach stand das Stavenhagenhaus im Zentrum des öffentlichen Interesses. Bevor das Ehepaar Schlaack nach fast 23 Jahren Ende April in den wohlverdienten Ruhestand ging, wurde die Nachfolgeregelung mit Spannung erwartet. Der Kommunal-Verein und die “Freunde des Stavenhagenhauses” als Hauptnutzer des Stadtteilkulturzentrums hatten frühzeitig auf eine anschließende und gleichwertige personelle Lösung gedrängt. Tatsächlich übernahm ohne die heute so oft praktizierte Übergangszeit das junge Ehepaar Koch  – nomen est omen: beide sind gelernte Köche –  zum 1. Mai die Betreuung des Hauses. Im Laufe des Jahres wurden erhebliche Anforderungen an sie gestellt, die weit über den Alltagsbetrieb hinausgingen: die Beköstigung einer größeren Zahl von Menschen beim Stadtteilfest bewältigten sie gut, doch als wirkliche Bewährungsprobe erwies sich das dreitägige Fest zur Feier von 50 Jahren Stavenhagenhaus als Kulturzentrum im Oktober und  der monatelange Vorlauf. Die Bezirksversammlung hatte nämlich für die bauliche Sanierung des Hauses sowie Infrastruktur- maßnahmen E 220.000  bewilligt und das bedeutete monatelang täglich Handwerker von unterschiedlichen Gewerken im Haus. Gerade rechtzeitig zum Festwochenende erstrahlte dann das Stavenhagenhaus in neuem Glanz. Neben den obligatorischen Reden gab es mit Fotoausstellung und historisch akzentuierten Führungen interessante Einblicke in die Geschichte des Hauses und des Stadtteils  und eine facettenreiche Selbstdarstellung von Nutzern des Hauses und Groß Borsteler Einrichtungen. 

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich der Kommunalverein verstärkt mit dem Thema Kinder und Jugendliche in Groß Borstel. In diesem Zusammenhang kam es zu erfreulichen Entwicklungen: Die Angebote für Kinder auf dem jährlichen Stadtteilfest haben an Qualität und Quantität deutlich zugelegt. Zum zweiten Mal fand auf dem Stadtteilfest am 17. Juni eine Tombola zugunsten des Jugendclubs Groß Borstel statt, die wieder ein voller Erfolg war. Das  im Oktober 2007 ins Leben gerufene Kinder-Kultur-Festival “Kukuk” (Kultur und Kurzweil für Kinder) bietet bereits zum sechsten Mal im Herbst/Winter 2012/13 unter neuer Leitung vielfältige Veranstaltungen mit Theater, Lesungen, Malaktionen und weiteren Attraktionen für Kinder und Jugendliche ab drei Jahren.

Veranstaltungen

Die regelmäßig im zweiten Teil der Mitgliederversammlungen stattfindenden kulturellen Veranstaltungen, die ebenfalls monatlichen Treffen des Literatur- und des Singekreises sollen hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden, denn wenn eine genannt wird, müsste über alle etwas gesagt werden. Sie lassen sich als breites Spektrum an Bildung und Unterhaltung charakterisieren, das Lesungen, Kabarett, Vorträge, Musikdarbietungen und anderes umfasst. 

Erwähnt werden sollen aus diesem Jahr aber einige Sonderveranstaltungen:

Im März erfreute mit einem weiteren Auftritt in Groß Borstel H.P. Ritz mit seinem neuen Programm „Liebe und Genie unplugged“ viele Zuhörer mit seinen Liedern und Chansons. 

Der Kommunal-Verein organisierte für Interessierte eine Besichtigung der Holsten-Brauerei..

Neben der Bearbeitung kommunalpolitischer Themen und den genannten Aktivitäten gab es natürlich noch weitere wichtige Bestandteile des Vereinslebens: Zum Thema des sich neu belebenden jüdischen Lebens im Grindelviertel fand im Rahmen der „Woche des Gedenkens“ ein Gespräch mit dem Leiter der Talmud-Thora-Schule ein interessiertes Pub- likum. Wie beim Jubiläum des Stavenhagenhauses blickte auch die jährliche Tanzveranstaltung  50 Jahre zurück auf den Starclub im Jahr 1962. Schließlich begeisterte wie alle Jahre wieder der traditionelle Adventsmarkt die Groß Borsteler.

Wolf Wieters

 

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