Hals, Nase, OhrenBesuch in einer Stimmpraxis im neuen Ärztehaus
Dr. Stefan Noster, Dr. Nadja Zingel und Dr. Swantje Eggers sind Fachärzte, die bereits im Dezember in das neue Ärztehaus in der Borsteler Chaussee 43 gezogen sind. Ein Begriff der Anzeige im Borsteler Boten macht mich neugierig: Stimmpraxis. Genauer gesagt: HNO und Stimmpraxis. „Jetzt ganz einfach einen Termin vereinbaren!“, steht da. Mache ich, ich rufe an. Ich bin zwar nicht krank, aber Redakteur. Also muss ich fragen, was ist das: Stimmpraxis?
Stefan Noster meldet sich gleich. Angenehme Stimme. Lockerer Umgangston. Am nächsten Tag bin ich da. Nagelneue Praxis. Alles schön sachlich, angenehm, nicht überkandidelt. Ich nehme Platz im Wartezimmer. Noster kommt rein, mit großen Schritten. Nach kurzem Aufwärmen steuere ich drauf zu: Was genau ist das: Stimmpraxis?
Stefan Noster antwortet mit den zwei Bereichen, von denen ich dachte, dass sie den Besuch einer Stimmpraxis erforderlich machen: Erstens: Wenn Patienten beispielsweise durch Unfall oder Tumor ein Stimmproblem haben, das behandelt werden muss. Und zweitens, wenn Menschen mit ihrer Stimme nicht mehr oder noch nicht zufrieden sind. Dr. Noster drückt das natürlich mit seinen Worten aus: „In Deutschland gibt es seit den 1990er Jahren den Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie, der sich mit Kommunikationsproblemen befasst. Dazu gehören die Stimmstörungen und die kindlichen Hör- und Sprachstörungen. Wir sind aber auch HNO-Ärzte und behandeln neben den vielen Stimmpatienten das gesamte Spektrum der HNO-Heilkunde.“
Die Fachärzte betrieben seit einigen Jahren am Tibarg eine Praxis, die wegen des enormen Zulaufs zu klein wurde. Hier in Groß Borstel fanden die drei Praxisinhaber nach langem Suchen endlich genau das Richtige. Eine Praxis mit Platz, gut zu erreichen, in einem Stadtteil mit deutlichem Bevölkerungszuwachs. Tarpenbeker Ufer und Petersen Park versprechen ein zusätzliches Klientel, in das das Qualifikationsspektrum der drei Ärzte gut passen kann. An Unterbeschäftigung leidet die Praxis jedoch nicht, denn die meisten Patienten vom Tibarg besuchen nun die Praxis in Groß Borstel. Und schon die Tibarg-Praxis hatte ein Hamburg-weites Einzugsgebiet.
Im Vordergrund steht bei der Behandlung – wie in vielen Fachgebieten – zunächst die Diagnostik. Die Entwicklung der bildgebenden und minimalinvasiven Verfahren in der Diagnostik ist rasant. Die drei HNO-Ärztinnen und -Ärzte sind in den unterschiedlichen Fachrichtungen der HNO spezialisiert.
Bote: „Was mache ich, wenn ich beispielsweise mit dem Klang meiner Stimme entweder durch Unfall oder altersbedingt nicht mehr zufrieden bin?“
Noster: „Also zum Beispiel ist es häufig das Problem, wenn wir älter werden, dass der Stimmenmuskel immer dünner wird und die Stimme dann ein bisschen brüchig wird und vielleicht eben auch nicht mehr so durchsetzungsstark ist, weil sich das obere Frequenzspektrum verändert. Da können wir zum Beispiel durch Unterfütterung, also indem in die Stimmlippen etwas reingespritzt wird, die Stimmlippen wieder stärker machen und die Stimme damit anpassen.“
Die HNO-Medizin ist sehr interdisziplinär aufgestellt. Manchmal reicht es aus, an einen Stimmtherapeuten zu überweisen, ohne dass Eingriffe notwendig werden. Häufig ist die Zusammenarbeit mit Kinderärzten notwendig, zum Beispiel bei Mittelohrentzündungen oder angeborener Schwerhörigkeit. Noster: „Das ist interdisziplinär, bei der Kindesentwicklung und bei Entwicklungsstörungen hängen viele Stränge dran. Kinderärzte und Neurologen brauchen wegen eingeschränkter Diagnostikmöglichkeiten die Zusammenarbeit mit HNO-Fachärzten. Wir sind da in ständigem Austausch.“
Wir sehen: Heute gibt es Möglichkeiten, beispielsweise der Stimme wieder auf die Sprünge zu helfen, wenn sie sich verändert hat. Dr. Noster, Dr. Zingel und Dr. Eggers zeigen, wie modern und vielschichtig Medizin sein kann, wenn Fachkompetenz und fortschrittliche Diagnostik zusammenkommen. Groß Borstel darf sich glücklich schätzen, eine solche Praxis vor der Haustür zu haben.
Text, Fotos: Uwe Schröder


HNO-Geschichte – Stimmbänder und Endokrinologie
Die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde als eigenständiges Fachgebiet entstand im 19. Jahrhundert. Den entscheidenden Durchbruch für die Kehlkopfdiagnostik brachte 1854 der spanische Gesangslehrer Manuel García: Er entwickelte den Kehlkopfspiegel – eine clevere Anordnung zweier Spiegel, mit der erstmals die Stimmbänder sichtbar gemacht werden konnten. Wiener und Budapester Ärzte verfeinerten die Methode bald darauf.
Die Stimmbänder reagieren empfindlich auf Hormonschwankungen – ein Zusammenhang, der lange unterschätzt wurde. Erst im 20. Jahrhundert erkannte man, dass Schilddrüsenerkrankungen die Stimme verändern können: Eine Unterfunktion macht die Stimme rau und tief, eine Überfunktion zittrig. Auch Sexualhormone spielen eine Rolle – der Stimmbruch in der Pubertät ist das bekannteste Beispiel.
Zur Untersuchung dieser Zusammenhänge kombiniert die moderne HNO heute bildgebende Verfahren wie Laryngoskopie und Stroboskopie (Zeitlupendarstellung der Stimmlippenschwingung) mit Blutuntersuchungen auf Hormonspiegel. So lassen sich stimmliche Veränderungen bei Schilddrüsen-, Nebennieren- oder Hormonerkrankungen gezielt zuordnen.
Seit den 1960er-Jahren ermöglicht die Endoskopie mit Kaltlicht minimalinvasive Eingriffe – ein Meilenstein, der schonende Operationen an Kehlkopf und Stimmbändern bis heute prägt.

