EDITORIAL

Liebe Borstelerinnen, liebe Borsteler,

was für ein Sommer! Seit fast einem Viertel Jahr Sonne und Sommer-Feeling in Hamburg. Und dabei gehören wir zu den Glücklichen im Land, die überwiegend noch erträgliche Temperaturen tagsüber und schlaftaugliche nachts haben. Das sieht weiter südlich in Deutschland anders aus. Dort sind Temperaturen, die an der 40°-Marke kratzen, schon sehr häufig. Über Hitzewellen in Frankreich, Spanien, immense Waldbrände, trockengefallene Flüsse wie Donau und Rhein, verdorrende Ernten, abgeschaltete Atomkraftwerke wegen mangelnder Kühlung durch Flusswasser sind die Nachrichtensendungen voll.

Die Menschen leiden direkt: Das Robert-Koch-Institut meldet bis Ende Juli 12.500 Hitze-Tote für Deutschland. Krankenhäuser, Kitas, Schulen, Senioren- und Pflegeheime bräuchten dringend die Ausstattung mit Klimaanlagen. Der Deutsche Städtetag fordert, den Klimaschutz im Grundgesetz zu verankern, um dem Bund die rechtliche Möglichkeit zu geben, Städte und Kommunen mit den erforderlichen Milliarden bei Hitzeschutz-Maßnahmen zu unterstützen.

Wir müssen also nicht nur verteidigungsfähig werden, die innere Sicherheit und den Katastrophenschutz aufbauen, sondern auch die Klimaanpassung der Gebäude und Infrastruktur voranbringen. Und gleichzeitig die Wirtschaft auf nachhaltige Energiemodelle und KI-gestützte Prozesse in allen Bereichen transformieren. Dazu will Deutschland nun ein neues Geschäftsmodell entwickeln, nachdem das Verbrenner-Auto, der jahrzehntelange Exportschlager, Absatzmärkte verloren hat. Das alles ist eine zweite Zeitenwende, ähnlich bedeutsam wie die industrielle Revolution! Die begann Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Eisenbahnbau und der Schwerindustrie (Kohle und Stahl), schuf einheitliche Zölle, löste feudale Strukturen ab, und es bildete sich die Klassengesellschaft zwischen den Kapitalbesitzern und den lohnabhängigen Arbeitern heraus. Ab 1871 wuchs die Wirtschaft rasant mit neuen Branchen wie Chemieindustrie und Elektrotechnik. Millionen Menschen zogen vom Land in wachsende Fabrikstädte. Harte Arbeitszeiten, Armut und schlechte Wohnbedingungen waren die Folge und führten zur Arbeiterbewegung und zu den Sozialgesetzen.

Die technischen Entwicklungen, die die industrielle Revolution eingeleitet haben, konnte man nicht zurückdrehen. Man kann auch heute die technologische Entwicklung nicht stoppen oder ausblenden, schon gar nicht in einer globalisierten Welt, die durch Lieferketten, internationale Gemeinschaftsunternehmen und Know-how komplett miteinander verstrickt ist. Man sollte eine neue Art von „Sozialgesetzen“ entwickeln, die die Auswirkungen der neuen Technologien auf die Menschen, ihre Arbeit, ihr Leben und ihre Gesundheit so regeln, dass sie verträglich bleiben. Die große Herausforderung wird darin bestehen, die notwendigen neuen Regeln und den Schutz für die Menschen durchzusetzen, während um uns herum Despoten, Autokraten und Gestörte die Macht an sich reißen, Regeln und Gesetze ignorieren und Rechtsstaatlichkeit zerstören – um ungestört mit der eigenen Clique immensen Reichtum und Macht zu konzentrieren. Das ist die Wiederkehr feudaler Strukturen!  

Es wird sich sehr vieles ändern. Wir haben in Deutschland und in Europa hoffentlich noch die Kraft und den Mut, solche Auswüchse wie etwa in den USA, in Russland, in der Türkei oder im Iran zu verhindern. Und wir können lernen, mit einem Partei-Staatskapitalismus wie in China umzugehen. Wer aber populistisch behauptet, man könne sich in Deutschland einigeln und zurück in eine Gesellschaft und Welt aus den 50er-Jahren oder, schlimmer noch, aus den 30er-Jahren zurückkehren – der hat keinen Plan für die Zukunft und baut darauf, dass es keiner merkt. Auch Pippi Langstrumpf machte sich die Welt, wie sie ihr gefällt – aber das war nur ein Märchen für Kinder, keine reale Blaupause für ein ganzes Land und seine Menschen. Wir werden mit der globalisierten Welt und den neuen Technologien umgehen müssen. Und wir sollten eindringlich fordern, dass wir gut und verantwortungsvoll damit umgehen, solange es noch geht!

Um ein bisschen praktisch mit der neuen KI-Welt in Berührung zu kommen, wird uns Gunnar Brune bei der öffentlichen Mitgliederversammlung interaktiv mitnehmen am 9. September unter dem Titel: Brune erklärt die KI. Wir erfahren, was mit der KI auf uns zukommen wird. (Elke: Hier bitte ein kleines Bild von der Plakatankündigung einfügen)

Gunnar Brune, Mitglied des Kommunalvereins und wohnhaft in Groß Borstel, ist Unternehmensberater, Buchautor und Referent. Er ist Inhaber der Unternehmens- und Marketingberatung Tricolore Strategy, Gründer der Storytelling-Beratung Narrative Impact und ist Mitglied des Netzwerks AI.Hamburg zur Förderung Künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft.

Einen Blick in die Vergangenheit wirft PD Dr. phil. Roman Hillmann. Er hat seine Kindheit im Warnckesweg 27 verbracht, ist Sohn von Prof. Dr. Heinz Hillmann, der an der Uni Hamburg Literaturwissenschaft lehrte und bei dem ich während der bewegten Jahre ab 1968 in vielen Seminaren saß. Der Historiker Roman Hillmann hat für den Boten nun eine dreiteilige Serie geschrieben: Die Geschichte des Warnckeswegs als Teil der Entstehung des Stadtteils Groß Borstel aus dörflichen Strukturen heraus. Vielleicht gibt uns der Blick zurück Anregungen für die positive Gestaltung unseres wachsenden Stadtteils…

Und zum Schluss noch der Ausblick auf zwei weitere Veranstaltungen zum Freuen: Am Freitag, dem 25. September, ab 19.00 Uhr tanzen die Borstelerinnen wieder im Stavenhagenhaus bei Moms on the dance floor und am Samstag, dem 26. September, von 15.00 bis 17.00 Uhr tanzen zum ersten Mal die Kids on the dance floor. Kiddies von 5 bis 11 Jahrenkönnen sich im Gartensaal des Stavenhagenhauses zur Musik austoben und die Eltern währenddessen einen Kaffee trinken und ein Stück Kuchen genießen.

Soweit für heute, Ihr Lieben. Nach der Sommerpause starten wir gemeinsam in einen hoffentlich goldenen Herbst mit vielen schönen Veranstaltungen – trotz des Umbaus! Der Klöntreff findet ab September an jedem 1. Donnerstag im Monat im Gartensaal von 19.00 bis 22.00 Uhr statt. Jeder und jede ist willkommen, es gibt alle gängigen Getränke und Snacks, Infos aus und für Groß Borstel, gute Gespräche und entspannte Treffen mit Freunden, Nachbarn, Fans and Friends!

Herzlich Ihre Ulrike Zeising