carl_schrdterFür ein Interview besuchte ich kürzlich die Firma Carl Schrödter in dem Gewerbegebiet im Heselstücken. Der Geschäftsführerin, Maja Barbuceanu, war ich schon Ende November letzten Jahres begegnet, als die Firma per Anzeige im “Groß Borsteler Boten” alle (Borsteler) Nachbarn und Freunde anlässlich einer festlichen Weihnachtsausstellung – die übigens in jedem Jahr stattfindet – zu Eisspezialitäten, Punsch, Kaffee und Kuchen eingeladen hatte

Überrascht von der Großzügigkeit des – auch das ganze Jahr über für Geschäftsfreunde zur Verfügung stehenden – Ausstellungsraumes mit den riesigen Kaffeemaschinen, war ich neugierig geworden auf das Unternehmen, das sich 1987, zwei Jahre nach der endgültigen Fertigstellung der Straße Heselstücken, dort angesiedelt hat.

 

Die Gründung dieses Unternehmens geht jedoch auf das Jahr 1927 zurück, als Carl Schrödter die Generalvertretung des damaligen “Frigidaire-Werkes”, einer Tochterfirma von General Motors, für Schleswig-Holstein, Nord-Niedersachsen und Hamburg übernommen hatte. “Ende der 1920er Jahre waren Kühlschränke im Haushalt ein unerhörter Luxus und automatische, elektrische Kühlung im Gewerbe ein absolutes Neuland. Auf diesem Gebiet also hatte Herr Schrödter mit seinen Mitarbeitern Pionierarbeit zu leisten, und sie taten das!” (Zitat aus der Chronik der Firma). Diese Frigidaire-Kühlanlagen gehörten bald zur Standardausrüstung von Hotels, Restaurants, Eiscafés, Lebensmittelgeschäften etc. Der erste Firmensitz lag in der Mönckebergstraße 19.

 

Wie erfolgreich die Firma bereits vor dem Zweiten Weltkrieg war, geht aus Firmenunterlagen aus dem Jahr 1939 hervor: Drei Jahre hintereinander (von 1936-38) wies sie den höchsten Umsatz aller Frigidaire-Händler in Deutschland aus. Doch wie schnell sich Zeiten ändern können und über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden, musste auch Carl Schrödter erfahren. Im Zweiten Weltkrieg kam der Betrieb zum Erliegen. Der einzige Sohn war 1943 in Russland gefallen. Trotzdem fasste der inzwischen 57jährige Unternehmer nach dem Krieg neuen Mut, von vorne anzufangen. Seine Tochter Gisela  hatte 1950 den Rumänen Gheorghe Barbuceanu geheiratet, der bereits seit sieben Jahren  in Deutschland lebte. Mit ihm bekam er einen jungen fähigen Schwiegersohn an seine Seite, dem er sehr bald die Geschäftsführung übergeben konnte.

 

Zunächst liefen die Geschäfte mit den Frigidaire-Kühlschränken und -Kühlanlagen ausgezeichnet. Doch je mehr sie in die Massenproduktion gingen und sich die Preise sowohl dadurch als auch durch weitere Konkurrenz halbierten, musste sich Carl Schrödter neu orientieren. Er übernahm u.a. die Vertretung der Carrier-Werke (USA) für Klima- und Großkälteeinrichtungen und gründete 1964 die Tochterfirma “Kälte- und Klimatechnik GmbH” für Carrier-Erzeugnisse. Großaufträge von Firmen wie Margarine-Union und HEW (Kältezentrale für den Gebäudekomplex in der City-Nord) folgten.

 

Eine ideale Ergänzung bot sich mit der Generalvertretung der Carpigiani-Werke aus Bologna, die Speiseeis- und Softeismaschinen herstellten – nicht nur in den 1960er Jahren ein voller Erfolg!

 

Nach dem Tod von Carl Schrödter im Dezember1968 führte Gheorghe Barbuceanu das Unternehmen erfolgreich weiter. 20 Jahre nach der Gründung der Tochterfirma “Kälte- und Klimatechnik GmbH” verkaufte Gheorghe die Firma, die in Norderstedt ein 5.000 qm großes Grundstück besaß. Mit dem Geld aus diesem Verkauf konnte das Grundstück am Heselstücken 17 erworben und das Betriebsgebäude am 18.8.1987 eingeweiht werden. “An diesem Tage wäre mein Großvater 100 Jahre alt geworden“, erzählt Maja Barbuceanu.

 

Gheorghe Barbuceanu starb im Jahr 2011,  seine Tochter Maja führt die Firma nun in der dritten Generation weiter. Auch nach heute 86 Jahren ist sie ein breit aufgestelltes, erfolgreiches Unternehmen mit dem Vertrieb von Eis- und Espressomaschinen für den Gastronomiebereich sowie den dazu gehörenden Ersatzteilen, Reparaturen und Wartungen.

Die Kälte- und Klimatechnik ist für die Firma ein unglaublich expandierender Bereich, der immer mehr Bedeutung im Markt bekommt.  So gehen z. B. große Lieferungen  an Unternehmen in der Hafencity, zum Hamburger Flughafen, im Supermarktbereich sowie an Einkaufszentren in ganz Deutschland.

 

“Wir arbeiten rund um die Uhr, jeden Tag, das ganze Jahr, denn Service ist bei uns groß geschrieben”, meint Maja Barbuceanu. Alles Gute, auch für die weitere Zukunft!   

 

T. M.-W.

 

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