Vögel in und um Groß Borstel

Der Fitis

Fitis_Fliegenfang

Er wird auch Fitislaubsänger genannt: der Fitis (Phylloscopus trochilus). Dabei handelt es sich um einen Vogel aus der Gattung der Laubsänger (Phylloscopus) sowie der Familie der Laubsängerartigen (Phylloscopidae). Er wiegt acht bis elf Gramm und weist eine Länge von 11 bis 12,5 Zentimetern sowie eine Flügelspannweite von 17 bis 22 Zentimetern auf. Die Körperoberseite ist grün- bis olivbraun und die Unterseite gelblich-weiß gefärbt.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nicht voneinander. Auch die Jungvögel ähneln adulten Exemplaren, zeigen aber eine gelblichere Unterseite.

Fitisse wirken in ihrem Verhalten oft rastlos. So kann man sie häufig dabei beobachten, wie sie auf der Suche nach Insekten flink im lichten Strauchwerk zwischen den Ästen hin- und herhüpfen. 

Der Vogel lässt sich in Gestalt und Gefiederfärbung leicht mit seiner Zwillingsart – dem Zilpzalp (Groß Borsteler Bote Juli-August 2026) – verwechseln.  Allerdings sind die Beine des Fitis deutlich heller. Außerdem ist sein weißlicher Überaugenstreif markanter und reicht weiter hinter das Auge als der des Zilpzalp.

Noch deutlicher unterscheiden sich beide Vögel beim Gesang. So „musiziert“ der Zilpzalp sehr eintönig („Zilpzalp-Zilpzalp“), während der Fitis viel melodischer zu Werke geht. Dessen Lieder bestehen aus hellen, abfallenden Tönen mit einem Überschlag am Ende („sisisi-WÜJ-WÜJ-WÜJ swi-swi-swi tuui tuui si-si-SWIJ-sü“). Sein Ruf „hü-it“ ähnelt dem „hüit“ des Zilpzalp, ist aber zweisilbig.

Der Name Fitis hat einen onomatopoetischen, also klangmalenden, laut nachahmenden Ursprungs. Das bedeutet, dass der Vogelname ebenso klingt wie sein Gesang. Weitere Beispiele dafür sind der erwähnte Zilpzalp sowie Kuckuck und Pirol.

Der Fitis bewohnt von April bis September fast ganz Mittel- und Nordeuropa. Er ist Langstreckenzieher, sein Winterquartier liegt in Afrika südlich der Sahara. Der Herbstzug setzt im August ein und reicht bis in den Oktober, ab Ende März beginnt der Rückzug.

Ebenso wie der Zilpzalp ist auch der Fitis in ganz Deutschland flächendeckend anzutreffen. Der Bestand wird hier auf 750.000 bis 1.150.000 Reviere, in Hamburg auf 4.000 Reviere geschätzt.

Fitisse ernähren sich von Insekten, Spinnen und Larven, die sie von den Blättern picken. Gelegentlich ergänzen auch Früchte und Beeren ihre Nahrung.

Die Vögel besiedeln bevorzugt trockene und feuchte Standorte mit kräftiger Strauch- und Krautschicht in möglichst einheitlich niedrigem jungen Baumbestand. Daher konzentriert sich ihr Vorkommen auf lockere Wälder, Gebüsche und Lichtungen.

In Hamburg sind sie nahezu flächendeckend vertreten – bis auf das Hafengebiet, den Stadtkern und große geschlossene Waldgebiete.

Anfang des 20. Jahrhunderts soll der Fitis in Hamburg auch noch „größere Gärten der Stadt“ besiedelt haben (Dietrich 1928). Jedoch geht der Bestand schon seit mindestens 50 Jahren zurück. Die Ursachen dafür liegen wahrscheinlich in den Winterquartieren, aber auch in der städtebaulichen Verdichtung. Rund um Groß Borstel sind die Vögel vor allem im Eppendorfer Moor, Stadtpark, Ohlsdorfer Friedhof und in den Flughafenrandgebieten zu entdecken.

Hauptbrutzeit der Fitisse ist die Zeit von April bis Juli. Nach der Rückkehr aus den Winterquartieren in die Brutgebiete versuchen die Männchen mehrere Brutplätze zu besetzen und durch ihren Gesang ein oder mehrere Weibchen anzulocken.

Grundsätzlich führen die Vögel eine monogame Saisonehe, es sind aber auch vereinzelte Fälle von Bigynie nachgewiesen, in denen ein Männchen sich mit zwei Weibchen gepaart und zwei Nachkommenschaften gleichzeitig großgezogen hat.

Die Nistplatzwahl und den Nestbau verantworten ausschließlich die Weibchen.

Fitisse sind sogenannte Bodenbrüter. So errichten sie aus Moos und Gras das überdachte und mit einem Seiteneingang versehene Nest im dichten Gebüsch oder Gras am oder nahe dem Boden.

Die Weibchen legen vier bis sieben Eier, die sie zwischen 12 und 14 Tagen bebrüten. Die Jungvögel sind nach 13 Tagen flügge und verlassen am 14. bis 15. Tag das Nest. Im Alter von einem Jahr erreichen sie ihre Geschlechtsreife und werden im Höchstfall zwölf Jahre alt.

Fitisse gelten als „nicht gefährdet“. Unabhängig davon treten – vor allem wegen Klima- und Habitatsveränderungen – gelegentliche kurzfristige lokale oder regionale Bestandsschwankungen von bis zu 50 Prozent auf. Doch wird durch die hohe Nachwuchsrate der Vögel die Population normalerweise recht schnell wieder aufgebaut.

In der allgemeinen Kultur- und Literaturgeschichte sowie der schöngeistigen Literatur spielt der Fitis im Gegensatz zu großen, auffälligen Singvögeln wie der Nachtigall oder der Lerche keine besondere Rolle. Trotzdem schätzen ihn die Naturlyriker, für die er symbolisch den Frühling, die Zartheit der Natur und das phänomenale Zugverhalten repräsentiert.

In diesem Zusammenhang wird sein weicher, melodisch abfallender Gesang gerne mit der sanften, leicht wehmütigen Stimmung eines herabfallenden Herbstblattes verglichen. Wegen dieses leisen, zarten Vortrags nannte man den Fitis im deutschen Sprachraum früher poetisch das „Wisperlein“. 

Text und Fotos:

Michael Rudolph