Serie: Klimaschutz im Garten von Dr. Jürgen Bönig

2026 März: Fertigware oder Samen?

Ihre Ungeduld, die kann ich ja verstehen – Sie möchten schnell ein Resultat und bringen getopfte Pflanzen in Ihren Boden. Das ist ein bisschen wie Malen nach Zahlen, aber eben im Beet mit zweifelhaftem Aufwand und Resultat: Nach Farben und Angebot schon vorgetriebene größere Pflanzen in Plastiktöpfen besorgen, einpflanzen und fertig ist das schöne Bild. Aber Sie zahlen für dieses fertige Beet und die Natur auch. Nach meiner Erfahrung gehen Läuse, Schnecken und Asseln ausgepflanzte Gewächse sehr gerne an, weil sie vorgetrieben sind, mit Wachstumshormonen gepuscht und nicht unbedingt zum Standort passen. Das kann Ihnen natürlich auch bei Samen passieren, die Sie mühsam drinnen vorgezogen haben und die den Ansturm der Blätterfresser in der ersten Nacht draußen nicht überstehen.

Sie sollten vielleicht bedenken, dass der Lieferung von Topfpflanzen in den nächsten Supermarkt oder Gartencenter einiger Aufwand vorangeht. Da wurde Substrat erstellt, Gewächshauserde sterilisiert, vorgewärmt, Samen oder Setzlinge eingefügt, manchmal künstliche Beleuchtung benutzt, um Gewächse vorzutreiben und mit mehr Energie als für Samen erforderlich den Topf mit Substrat mit einer bereits entfalteten Pflanze zu Ihnen nach Hause zu bringen – in Plastikbehältern, die unaufhaltsam im Freien zu Mikroplastik zerfallen.

Ich kann den Gedanken verstehen, dass Sie Pflanzen haben möchten, die schon nach was aussehen und sich nicht mit der Phantasie begnügen, die eine Samentüte mit dem aufgedruckten Bild der daraus wachsenden Pflanze erfordert.  Aber meistens müssen Sie noch mal mehr Aufwand in Fertigpflanzen hineinstecken, meist überstehen die eingesetzten Pflanzen die nächsten Monate nicht, nicht die nächste Saison oder die nächste Gartenmode oder sind überhaupt am falschem Platz in Ihrem Garten.

Sie bringen sich und Ihren Garten mit diesem Aufwand um die Erfahrung, dass aus Samen erstaunlich gleichartig aussehende Keimlinge hervorgehen, die sich still in Pflanzen verwandeln, die aber immer noch nicht dem entsprechen, was auf der Samentüte abgebildet war. Sie werden den Samen auch anmerken, wo sie keimen möchten, schnell wachsen, herummickern oder wo sie von Wind, Regen und Schnecken niedergemäht werden. Und wenn Sie an der gewünschten Blüte schnuppern können und den Bienen und Hummeln beim Trank der ungefüllten Blüte zusehen, werden sich Ihre Pflanzen von denen der Nachbarn und dem aus dem Katalog unterscheiden – weil Sie in Ihrem Garten, an diesem Ort und unter diesen Bedingungen gewachsen sind.

Vielleicht sollten Sie sich auch nicht an einem Wunschbild von Blütenpflanzen orientieren – dann werden Sie nicht Hybridsamen wählen, die aus zwei unterschiedlichen Eltern gezielt erzeugt worden sind, die in der ersten Generation mit bestem Ergebnis Blütenzauber hervorbringen, aber in der nächsten Generation mit kleinerem Wuchs enttäuschen. Da sollten Sie doch lieber mit dem Nachbarn die Erzeugnisse Ihres Gartens teilen und samenfestes Saatgut tauschen, das immer wieder ähnliche Ergebnisse in jeder Generation hervorbringt – samenfest eben. Dann könnten Sie in Ihrem Garten alte Sorten von Nutzpflanzen hegen, von denen es Hunderte Sorten gab, bis die Saatgutkonzerne nur noch wenige Nutzpflanzen in wenigen Sorten im Angebot hatten.

Eigenwillig werden die Pflanzen auf jeden Fall sein – manche Pflanzen wie die Akelei tauchen an den wunderlichsten Orten und Farbverwandlungen in Ihrem Garten wieder auf, wenn Sie sie einmal eingelassen haben. Dass die Evolution seit Jahrmillionen nicht nur für spektakuläre Pflanzen sorgt, sondern für unscheinbare Gewächse, die für Insekten und damit die Bestäubung anderer Pflanzen erforderlich sind, das werden Sie sicher bedenken, wenn es ans Abpflastern geht. Am 21. März 2026 beginnt wieder der Wettbewerb um das Entfernen von Plaster aus dem Boden, in dem dann Pflanzen des Straßen- und Wegesrandes keimen und blühen können. Merken Sie sich vor – am 18. April 2026 ab 11 Uhr machen wir den Frühjahrsrundgang zum Abpflastern durch Groß Borstel – melden Sie sich beim Kommunalverein, wenn Sie mitziehen oder uns in Ihrem Garten zum Gespräch über das Öffnen des Bodens für Wasser und Pflanzen in Groß Borstel erwarten wollen.