Googles Stadtteilgrenzen


Das erste Mal fiel es Groß Borstelern auf, als das schreckliche Attentat auf die Zeugen Jehovas in der Deelböge in den Medien gemeldet wurde. Bekanntlich liegt die Deelböge außerhalb Groß Borstels. Die Polizei meldete jedoch im Abendblatt vom 10.03.2023: „Sobald es gesicherte Information zum Einsatz in Groß Borstel gibt“, werde man weiter informieren. Auch im Radio und Fernsehen sprach man in Zusammenhang mit dem Amoklauf zunächst von Groß Borstel. Das änderte sich schnell. Fehler passieren halt, werden weitererzählt, und irgendwann fragt man sich: Wo genau finde ich eigentlich den Verlauf der Stadtteilgrenzen?

Hamburg.de ist immer eine gute Adresse, doch auch hier kommt man nur über Umwege zum Ziel. Googelt man, findet sich der Artikel von Helmut Vogt im Groß Borsteler Boten vom September 2001 (als Helmut Vogt Vorsitzender des Kommunalvereins war). Dort beschreibt er, dass die Gaststätte „Lust auf Griechenland“ (Kellerbleek 6, heute leider eine Ruine) in Groß Borstel liegt; wechselt man dort die Straßenseite, landet man aber in Niendorf.

Das sieht Google an dieser Stelle genauso, jedoch führt uns der von Sergey Brin und Larry Page gegründete Weltkonzern bereits beim Überqueren der Tarpenbek in die Irre. Das Unternehmen der beiden Billionäre (Billion im amerikanischen Englisch = Milliarde im Deutschen) verlegt die Grenze Groß Borstels von der Tarpenbek in die Brückwiesenstraße. Links vom Lokstedter Damm aus gesehen sollen die Anwohner der Brückwiesenstraße zu Niendorf als Stadtteil und Eimsbüttel als Bezirk gehören. Die Leute aus der Brückwiesenstraße wissen: Das ist voll falsch!

Noch wilder zeichnen die Google-Geografen die Grenze zu Alsterdorf. Die läuft bekanntlich entlang der Alsterkrugchaussee. Nur nicht bei Google-Maps. Dort werden die Alsterdorferin und der Alsterdorfer zu Groß Borstelern, wenn sie etwa im Orchideenstieg oder von Süden aus gesehen rechtsseitig zwischen Alsterkrugchaussee und Alster wohnen. Alsterkrügerkehre – laut Google ganz klar auch Groß Borstel! Stimmt auch nicht. Google: Schon zwei Minuspunkte!

Dabei könnte es der Weltkonzern besser wissen. Er hatte den Sitz seiner Europazentrale vor 25 Jahren komplett nach Hamburg verlegt (in die ABC-Straße 19). Verantwortlich dafür war Anfang der 2000er-Jahre Holger Meyer aus Itzehoe – nachzulesen in der Zeit vom 30.12.2025. Der hatte die europäische Google-Vertretung zunächst vom Wohnzimmer in Itzehoe aus gestartet. Als Google dann seinen offiziellen Sitz in Europa haben wollte, beharrte Meyer auf Hamburg, denn er war mittlerweile familiär gebunden. Und Holger Meyer sorgte so dafür, dass es München nicht wurde, obwohl die Google-Kalifornier München anfangs bevorzugten. Die Büros in der ABC-Straße wurden irgendwann auch zu klein für Google Europa. Die Europa-Zentrale zog um nach Dublin. Die Vertretung für Deutschland ist jedoch in der ABC-Straße verblieben.

Liebe Deutschland-Googler, ihr habt es doch eigentlich nicht weit zum stadteigenen Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung. Der liefert supergenaue Stadtteilkarten, sogar auf seiner Webseite. Guckt mal kostenfrei unter geoportal-hamburg.de und gebt „Stadtteile“ in die Suchleiste der Seite ein. Dann können ihr genau und ganz offiziell sehen, wie die Grenzen unseres schönen Stadtteils verlaufen.

Guter Tipp auch für Groß Borsteler Neubürger aus dem Tarpenbeker Ufer. Dort hört man vereinzelt, ihr Wohngebiet gehöre zu Lokstedt. Begründung: Weil es die Lokstedter Postleitzahl hat. Das ist glücklicherweise nur ein Gerücht, liebe Tarpenbeker. Typisches Beispiel für alternative Fakten. Die Postzustellbezirke haben nichts mit den Stadtteilgrenzen zu tun. Die südliche Grenze von Groß Borstel, das könnt ihr auf dem Geoportal amtlich korrekt sehen, verläuft entlang der Güterumgehungsbahn.

Vielleicht schafft es Google sogar, die Karten zu korrigieren. Oder Polizei und Presse verlassen sich künftig nicht mehr auf Google, wenn sie etwas korrekt vermelden wollen, was richtigerweise auf Groß Borsteler Stadtteilgebiet oder aber eben außerhalb geschehen ist, von Google aber weiterhin falsch ausgewiesen wird.

Der Kommunalverein wünscht Google viel Glück bei der Korrektur und leistet auf Wunsch auch gerne Nachhilfe in Geografie.

Text: Uwe Schröder