Neugestaltung der Borsteler Chaussee

Am 28. Mai wurden auf einer Rise-Veranstaltung die verfeinerten Pläne für den Umbau der Borsteler Chaussee vorgestellt – Rise ist bekanntlich die Abkürzung für „Rahmenprogramm Integrierte Stadtteil-Entwicklung“. Vorgestellt hat sie Sascha Anders, der Abteilungsleiter Stadterneuerung und Integrierte Stadtteilentwicklung im Bezirk Hamburg-Nord. Interessant waren die Veränderungen zu den ursprünglich von dem Verkehrsplanungsbüro Argus vorgestellten Plänen. Denn in der Zwischenzeit haben die sogenannten Träger öffentlicher Belange ihre Kommentare zu den ursprünglich vorgestellten Plänen abgegeben. Das ist ein übliches Verfahren, sodass die Polizei beispielsweise, der HVV oder die Stadtreinigung Veränderungen vorschlagen können.
Das sind die Probleme der Borsteler Chaussee aus Sicht der Groß Borstelerinnen und Groß Borsteler:
Aufenthaltsqualität
Die Aufenthaltsqualität wurde durch den starken Verkehrsfluss, auch durch den Lastwagenverkehr, sehr stark gemindert in den letzten Jahrzehnten. Die Borsteler Chaussee hat bekanntlich über 20.000 Fahrzeugbewegungen täglich. Sie liegt dabei von der Verkehrsbelastung über der des Nedderfelds, das ursprünglich als Ausweichstrecke für die Borsteler Chaussee geplant wurde. Denn als Mitte der 90er Jahre der Durchstich der ehemaligen Sackgasse Papenreye zur Borsteler Chaussee erfolgte, war den protestierenden Einwohnern und auch den Planern klar, dass durch den zusätzlichen Verkehr eine deutliche Mehrbelastung auf die Groß Borsteler zukommen würde.
Gehwege
Die Fußwege sind wie überall im Stadtteil nicht ausreichend breit, und außerdem ist der Belag der Gehwege in die Jahre gekommen. Dadurch stehen viele Gehwegplatten hoch und sind zu Stolperfallen geworden – super gefährlich für Jung und Alt.
Radwege
Hinzu kommt, dass die Radwege viel zu schmal sind, die ebenso über Jahre nicht repariert wurden. Teilweise sind sie mit Gras überwachsen, so dass sie kaum benutzbar sind. Konflikte mit Autofahrern entstehen, wenn die Radfahrer die Fahrbahn der Borsteler Chaussee nutzen – was sie dürfen, wenn sie sich der Gefahr aussetzen wollen. Konflikte entstehen aber auch, wenn sie die Gehwege benutzen, was sie in der Regel nicht dürfen.
Stadtteil-Mitte
Last but not least: Groß Borstel hat keine Stadtteil-Mitte. Dort, wo die gefühlte Mitte ist, an der Kreuzung Brödermannsweg, Köppenstraße, Borsteler Chaussee, ist es viel zu laut, als dass man sich dort gerne aufhalten würde.
Der geplante Umbau der Borsteler Chaussee hat zum Ziel, einen Teil der vorgenannten Probleme zu mindern. Neben den reinen Straßenplanungen gibt es noch eine Grünflächenplanung, die im nächsten Boten vorgestellt werden soll. Außerdem steht immer noch auf der Agenda, dass die Stadtteilmitte neu geordnet werden soll. Diese Pläne liegen jedoch in der Schublade, weil sich einige Grundeigentümer dagegen ausgesprochen haben.
Zurück zu den Straßenbauplänen. Beginnen wir in diesem Artikel an der Kreuzung Papenreye/Borsteler Chaussee und arbeiten uns langsam Richtung Alsterkrugchaussee/Deelböge vor. Zunächst fällt auf, dass im Gegensatz zu den ursprünglichen Plänen die Fahrbahnbreite nicht auf 6,00 m verringert werden soll. Sie bleibt bei 6,50m. Die Verringerung hatte zum Ziel, dass sich begegnende Fahrzeuge vorsichtiger nähern und sich damit die Geschwindigkeit nach den Erfahrungen der Verkehrsplaner auf durchschnittlich 40 km/h verringert. Als die ersten Pläne aufgestellt wurden, gab es noch nicht die Möglichkeit für Kommunen, eigenständig für die Straßen eine 30 km/h Höchstgeschwindigkeit anzuordnen. Das hat sich inzwischen geändert, ist allerdings vom Senat noch nicht umgesetzt worden. Die Straßenverkehrsbehörde bevorzugt immer noch die „Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs“, wobei sie den Autoverkehr meint und nicht den Fußgänger- und Radfahrerverkehr. Im Fall der Borsteler Chaussee verhinderte der HVV die verkehrsberuhigende Verringerung der Fahrbahnbreite. Angeblich kämen die Busse nicht mehr so gut aneinander vorbei, was natürlich kaum begründbar ist. Die Standard-Linienbusse des HVV haben regulär eine Breite von genau 2,50 Metern. Bei der gewünschten Fahrbahnbreite von 6,00 Metern sollte das Vorbeikommen auch für ungeübte Busfahrer kein Problem sein.

Mal etwas Positives: Die Radwege werden auf der gesamten Strecke neu geordnet. Sie sind als Protected Bike Lane oder als Kopenhagener Radweg (Erläuterung siehe Kasten) von der Fahrbahn getrennt. Nur in engen Stellen, wie bei der Zuführung zum geplanten Kreisverkehr an der Kreuzung Warnckesweg, verlaufen sie rot markiert auf der Fahrbahn. Der Kreisverkehr am Warnckesweg ist mit drei Zebrastreifen und sogenannten Sprunginseln ausgestattet.
Nach dem Kreisverkehr geht es zu Fuß weiter zum Moorweg, der mit einem gepflasterten Zufahrtsbereich zur Borsteler Chaussee führt. Der Radweg ist durchweg 2,50 m breit, wieder geführt als Protected Bike Lane oder Kopenhagener Radweg. Hinter dem Moorweg wird es für Fußgänger und Radfahrer richtig großzügig: Die zweite Fahrbahn fällt weg, Überbleibsel aus Zeiten, in denen Groß Borstel noch eine Straßenbahn hatte. Der Fußweg wird an dieser Stelle bis zur Ausfahrt Moortwiete 4,50 m breit. Gleich hinter dem Moorweg wird es einen weiteren Zebrastreifen geben. Die Borsteler Chaussee wird für den für Fußgänger notwendigen Wartestreifen vor dem Zebrastreifen leicht verschwenkt. Auch der Zebrastreifen hinter der Moortwiete erhält diese Verschwenkung, was möglicherweise zur Beruhigung des Autoverkehrs beiträgt.
Fünf Schrägparkplätze und drei Längsparkplätze bleiben an der Nebenfahrbahn vor Edeka erhalten, die Nebenfahrbahn wird zur Fahrradstraße umgewidmet. Anlieger dürfen sie mit Autos benutzen.
Gegenüber Edeka ist der Radweg mit 2,50 m Breite als Protected Bike Lane geführt, der Fußweg ist 2,65 m breit. An der Kreuzung Brödermannsweg, Köppenstraße, Borsteler Chaussee bleibt die Ampel. Die Radwege erhalten hier einen auffälligen roten Belag.
Hinter der Bushaltestelle entfallen die Parkplätze zugunsten von mehr Aufenthaltsfläche für Fußgänger, einem breiteren Radweg (min. 2,65 m) und einer Neugestaltung der Grünflächen. Der Gehweg ist bei Budni 7,27 m breit zuzüglich der weiterhin öffentlich nutzbaren Fläche direkt vor den Geschäften. Die Parkplätze vor der Fruchtoase entfallen zugunsten einer Neuordnung Rad- und Gehweg. Gegenüber dem Borsteler Backshop wird ein Zebrastreifen eingerichtet. Die fünf Parkstände vor der Tankstelle und drei vor der Einfahrt zum Gewerbegebiet bleiben erhalten. Auch vor Aldi und dem vietnamesischen Imbiss bleiben Parkplätze. Die Fußgängerampel wird zu einem Zebrastreifen umgewandelt. Und bis zum Rewemarkt: Ebenfalls 2,65 m breite Protected Bike Lanes bzw. auf der Seite zum Finanzamt 2,33 m breiter Radweg und ein 2,30 m breiter Gehweg.
Direkt vor dem Jakob-Junker-Haus endet die Planung. Sascha Anders verwies auf die Magistralenplanung, die eine Neuordnung der Kreuzung Deelböge/Alsterkrugchaussee/Rosenbrook vorsieht, und die zurzeit in Arbeit ist. Der Bezirk Hamburg-Nord ist an den Planungen beteiligt, Federführung hat die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM). Sascha Anders sprach auf der Veranstaltung optimistisch davon, dass HH-Nord einbringen will, die Zufahrt von der Deelböge in die Borsteler Chaussee auf eine Spur zu verringern, um auch die Verkehrsmenge aus Osten über das Nedderfeld und nicht über die Borsteler Chaussee zu leiten. Ferner gibt es Überlegungen, die Leitsysteme und die Ampelschaltungen zu den beiden Eingängen der Borsteler Chaussee für die Umlenkung des Verkehrs über das weitgehend unbewohnte Nedderfeld zu nutzen.
Kleiner Wermutstropfen ist der Wegfall einiger Parkplätze. Allerdings ist das zu verkraften, da der überwiegende Teil durch Dauerparker belegt ist. Notfalls ist das Problem durch Bewirtschaftung, sprich munteres Knöllchenschreiben schnell zu unterbinden.
Text: Uwe Schröder. Pläne: Argus Stadt und Verkehr Partnerschaft mbH. Alter Plan: Geoportal Hamburg und KI


Protected Bike Lane
Geschützte Radfahrstreifen werden direkt auf der Fahrbahn angelegt. Sie nehmen in der Regel die Breite einer ganzen Fahrspur ein und sind durch Trennelemente wie Poller oder Blumenkübel sowie durch markierte Schutzzonen von den Fahrbahnen und Parkspuren des Kfz-Verkehrs klar getrennt. (ADFC)
Kopenhagener Radweg
Die sogenannten „Kopenhagener Radwege“ stellen geschützte Radwege im Sinne baulich getrennter Radverkehrsanlagen dar. Diese bauliche Trennung besteht sowohl zum Fußverkehr als auch zum Kraftfahrzeugverkehr durch niedrige Bordsteine. Geschützte Radwege sind somit nicht Teil der Fahrbahn. Laut ReStra gilt ein Mindestmaß von 1,85 Meter (2,75 Meter Regelbreite). (Hamburg.de)
Variantenvergleich
| Variante | zur KFZ-Spur | zum Fußweg |
| Hochbordradweg | hoher Randstein | ebenerdig |
| Kopenhagener Radweg | halbhoher Randstein | halbhoher Randstein |
| Radfahrstreifen | ebenerdig | hoher Randstein |
| geschützte Radfahrstreifen | hoher Randstein | hoher Randstein |

