Abpflastern in Groß Borstel – aber wie?
Wir waren gut vorbereitet auf unseren Abpflaster-Rundgang durchs Dorf am 18. April 2026 – hatten mit dem Management für den Öffentlichen Raum, dem Botaniker HH Poppendieck, NABU und Bund gesprochen und die Möglichkeiten der Baumsetzung in Hamburg studiert – und waren doch überrascht, wie viel Pflaster im Groß Borstel liegt, wo offener Boden möglich wäre.




Die Kreuzung Bördermannsweg/Köppenstraße/Borsteler Chaussee zeigte uns, dass historische Gründe das Pflaster immer weiterwuchern ließen – als es noch nicht so viele Starkregenereignisse und Dürren gab – und neue ökologische Maßnahmen wie das Stadtrad zu weiterem Zupflastern geführt haben.
Das Ergebnis: im Kern unseres Dorfes ist von Hauskante zu Hauskante der Boden zugepflastert und der einzige Weg des Regenwassers führt in die Kanalisation. Ein Ereignis ist mir im Gedächtnis geblieben: ich brachte unseren Sohn von der Kita nach Hause, als ein Starkregen losbrach und die Gullydeckel auf der Kreuzung zum Hochspringen brachte. Ich habe damals den Gullydeckel nach Abebben des Regens wieder auf den Gully gerollt – damit die Autos nicht im Loch hängenblieben, und wir merkten erst zuhause, dass die übervolle Kanalisation die Kellergaragen unserer Nachbarn volllaufen ließ. Das Wasser schoss an der tiefsten Stelle des Klotzenmoores am Haus vorbei in unseren Garten. Vor der Kellertür stand es einen halben Meter hoch, weil es nicht abfließen und versickern konnte. Durch einen blauen Bereich hinter unserem Haus zeigt die Starkregengefahrenkarte auf dem Geoportal Hamburg immer noch dieses Ereignis – obwohl sich die Verhältnisse verändert haben. Ich habe die Betonfläche des Kellerabgangs aufgebrochen, so dass das Wasser versickern kann, hinter dem Haus eine Stelle ausgetieft und mit Splitt gefüllt und den Eingang auf das Grundstück so hochgelegt, dass das Wasser von der Straße ggf. in offene Gartenerde strömt.
Was tun am Haus gegen Starkregen? An vielen Häusern unseres Viertels wurde die Trockenlegung der Hausmauern durch Pflasterversiegelung abgeschlossen – dabei reicht die Drainagematte vor den Grundmauern und eine Schicht groben Kies oder Splitt, damit das Wasser nicht direkt an der Hauswand steht, sondern durch die Löcher zwischen den Steinen versickert. Eine Abdeckung durch Pflasterplatten hilft dagegen nicht und macht nur die Fläche kleiner, auf der Regen versickern kann.
Wenn Sie also Abpflastern am Haus wollen, nehmen Sie die Steinplatten ums Haus weg, fügen groben Splitt oder Kies nahe am Haus hinzu und ersetzen den Steinweg durch Holzhäcksel – der versickernde Regen und weniger Schmutzspritzer von den Gehwegplatten werden der geringste Dank dafür sein.
Auf unserem Rundgang kamen wir an vielen Hecken und Zäunen in der Köppenstraße vorbei, die offenbar aus längst vergangenen Zeiten stammen und nicht der Versickerung dienen. Vor den Hecken und Zäunen hält eine Steinkante das Regenwasser davon ab, Erde auf den Fußweg zu schwemmen – der Erdboden ist höher angelegt oder gewachsen, als der Gehweg, und das Wasser kann auf keine Weise vom Gehweg in den Garten abfließen. Dabei zeigen einige Gehwegpartien am Anfang der Straße Klotzenmoor bei den Mehrfamilienhäusern, wie es auch gehen kann bei starkem Fußgänger- und Fahrradbetrieb. Der Gehweg ist auf 150 cm Breite gepflastert und liegt höher als der ca. einen Meter breite Streifen zu den Grundstücken, der aus wassergebundener Decke besteht – Regenwasser steht nicht auf dem vertieften Weg, sondern fließt von den erhöhten Platten zur Seite in den Boden – jedenfalls dort, wo der auf der anderen Seite zur Straße liegende asphaltierte Radweg nicht daran hindert.
Die Breite von einer halben Platte an vielen gepflasterten Gehwegen von 150 cm zeigt, dass nachträglich der durchlässige Boden vor Zaun und Hecke durch Bepflasterung geschlossen worden ist – ob das durch städtische Initiative oder Wirken der Anwohner an diesen früheren Privatstraßen geschah, lässt sich kaum klären – jedenfalls hat die Bautätigkeit jetzt einen Zustand hinterlassen, den die Stadt erhalten muss, obwohl sie gar Mittel dafür hat. Besser wäre es, die Pflasterung am Gartenzaun verschwände auf diese oder jene Weise, der schmale Streifen zu den Gärten läge tiefer als der Gehweg und ließe den Regen versickern wie der Randstreifen zur Straße, der in Teilen der Köppenstraße noch mit 150 cm breiten Sandstreifen gefällt.
Einige der baulichen Verbesserungen und Modernisierungen wurden offenbar vor der Starkregenwahrnehmung konstruiert und gebaut. Hinter jedem Kantstein liegt auf 50 cm Breite eine Gehwegplatte, damit die Autos da gut abgestellt werden können. Die Parkplätze für die Automobile sind zumeist nicht aus Grand bzw. wassergebundener Decke oder Lochplatten gebaut, sondern durchgehend gepflastert. Und an den Halteplätzen des ökologischen neuen Stadtrades mussten unbedingt Sandflächen durch Pflasterung ersetzt werden – wohl damit die Räder nicht umfallen oder schmutzig werden. Hier könnte stadtweit mehr Versickerungsraum an den Straßen geschaffen werden, wenn die Verplattung unter den Rädern aufhört. In der neuesten Fassung in einem sehr reichen Stadtteil wird der Regen sogar durch eine Kante daran gehindert, in die benachbarten Beete abzufließen – die schönen Radstände sollen wohl schmutzig werden durch Erde, die der Regen auf den Gehweg treibt. Das alles gibt es in sinnvoller und in sinnloser Anordnung in einem Stadtteil nebeneinander – mal liegen die Gehwegplatten höher als der Wegrand, mal hemmt eine hohe Kante an den Garten das Wasser beim Versickern im Garten, mal ist alles von Hauskante zu Hauskante gepflastert, mal sind noch Restflächen mit wassergebundener Decke versehene Bereiche im Straßenraum vorzufinden. Aber alles das wurde so vollendet und zugepflastert, bevor die Erkenntnis über die Notwendigkeiten einer Schwammstadt in Zeiten von Starkregen und Dürren entstand und Konsequenzen für alle Flächen unserer Stadt haben muss. Doch als es diese neue Sicht bereits gab, sind immer noch alte Praktiken der Abschließung des Bodens verfolgt worden – da gilt es, nicht am Einzelfall die Sinnlosigkeit des neuen Zupflasterns zu bestreiten, sondern von vornherein dafür zu sorgen, dass bautechnische Planung den Weg des Wassers in den Boden bedenkt.


