Vögel in Groß Borstel
Die Goldammer
Die Goldammer (Emberiza citrinella) ist eine Vogelart aus der Familie der Ammern (Emberizidae). Sie ist die häufigste Ammer in Europa. Ihr Vorkommen erstreckt sich über ganz Europa bis weit nach Asien hinein. Ihr Bestand wird weltweit auf 35 bis 62 Millionen, in Europa auf bis zu 19,9 Millionen und in Deutschland auf bis zu 1,6 Millionen Brutpaare geschätzt. Auch wenn in den 1990er Jahren in Deutschland noch über 2 Millionen Brutpaare lebten, gilt der Bestand aktuell als stabil, also als nicht gefährdet.
In Hamburg gibt es circa 1.100 Brutpaare. Der Vogel ist hier jedoch nicht flächendeckend verbreitet. So meidet er – insbesondere während der Brutperiode von Mitte April bis Anfang August – den bebauten Teil der Stadt. Vielmehr bevorzugen Goldammern offene Landschaften, wie die Feldmark mit Acker- und Grünland, außerdem Knicks und Waldränder.
Für Groß Borstel gibt es rund dreißig Jahre keine Brutnachweise mehr. Allerdings existieren regelmäßig Brutvorkommen am östlichen Flughafenrand, sodass – insbesondere in Trupps im Rahmen der Futtersuche während des Winterhalbjahres – Sichtungen der Goldammer auch in Groß Borstel möglich sind.
Die schlanken Goldammern erreichen eine Körperlänge von 16 bis 17 Zentimetern, sind also ein bis zwei Zentimeter größer als Haussperlinge. Das Wort „citrinella“ in ihrem wissenschaftlichen Namen bedeutet „zitronengelb“, was den Vogel gut beschreibt. So sind die Männchen mit ihrem leuchtend gelben Kopf und der gelben Unterseite kurz vor und während der Brutzeit echte Blickfänge.
In der übrigen Zeit, also im Schlichtkleid, ähneln sie den Weibchen mit deren blassen gelbbraunen Färbung. Beide Geschlechter besitzen einen rotbraunen Bürzel, der sie von den ansonsten ähnlich aussehenden Zaunammern unterscheidet, die in Deutschland aber äußerst selten sind.
Der Gesang der Goldammer besteht aus einer schnellen Folge kurzer, hoher Töne, die nach einer kurzen Unterbrechung in einem längeren Element endet: „si-si-si-si-si-si zii-düüh“. Ihre Rufe variieren, zum Beispiel durch ein scharfes „zick“ oder beim Abflug ein „zürr“. Eine Besonderheit der Goldammern: Sie singen den ganzen Tag – selbst während der größten Mittagshitze.
Ein Merkspruch zum Erkennen ihres Gesangs lautet „wie-wie-wie hab ich di liiiieb“.
Die Vögel ernähren sich vor allem von Samen, die sie am Boden aufsammeln. In der Brutzeit stehen aber auch – insbesondere für die geschlüpften Jungvögel – Insekten und Spinnen auf ihrem Speiseplan.
In Deutschland ist die Goldammer Standvogel oder Teilzieher. Viele Vögel überwintern hier oder werden im Winterhalbjahr durch nordische Gäste ersetzt.
Die Brutperiode der Goldammern beginnt Mitte April und endet Anfang August. Mit seinem prächtigen Federkleid und klangvollem Gesang von einer hohen Warte – meist einer Baumspitze – aus versucht das balzende Männchen der Damenwelt zu imponieren. Spricht ein Weibchen auf diese Signale an, bekommt sie Brautgeschenke, meist Gräser, überreicht. Hat sich im Zuge der Balz ein Paar gefunden, beginnt es sofort mit dem Nestbau an einem vom Weibchen für geeignet befundenen Brutplatz. Das Nest wird entweder auf dem Erdboden oder in Bodennähe in Büschen oder Hecken angelegt. Es besteht aus Grashalmen, Blättern sowie kleinen Wurzeln. Die Nestmulde wird zuletzt mit Tierhaaren ausgekleidet.
Auch wenn die Neststandorte am Boden oder in Bodennähe liegen, benötigen Goldammern immer auch Bäume oder Sträucher als Singwarten.
Die Vögel führen eine „Saisonehe“ und ziehen in der Regel zwei – selten drei – Jahresbruten groß. Das Weibchen legt drei bis fünf Eier, die auf weißlichem Grund dunkelbraune oder schwarze Strichelungen aufweisen.
Das werdende Mutter brütet allein etwa 14 Tage lang, während das Männchen sie in dieser Zeit mit Futter versorgt. Nach 11 bis 14 Tagen schlüpfen die jungen Goldammern. Sie gehören zu den Nesthockern und werden noch bis zu 14 Tage lang vom Weibchen gehudert. Das Männchen beschafft in diesen Tagen das Futter und übergibt es dem Weibchen, das es zwischen sich und den Nestlingen aufteilt.
Das dokumentierte Höchstalter einer Goldammer beträgt 13 Jahre und drei Monate.
1999 war die Goldammer Vogel des Jahres in Deutschland.
Die Tonfolge des Gesangs der Goldammer „wie wie wie hab ich Dich lieb“ hat Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) in seiner 1807/1808 komponierten Fünften Symphonie verwendet, die auch als „Schicksalssymphonie“ bekannt ist.
In der 1826 veröffentlichten Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ des deutschen Schriftstellers und Dichters Joseph von Eichendorff (1788 – 1857) spiegelt die Strophe der Goldammer die unterschiedlichen Stimmungen der Jahreszeiten wider: „Immer betrübt“ singt sie im Herbst, im Winter: „Bauer miet mich, Bauer miet mich!“, während sie – „ganz stolz und lustig“ – das Frühjahr mit „Bauer, behalt deinen Dienst!“ einläutet.
Der Asteroid (8965) Citrinella des äußeren Hauptgürtels ist nach der Goldammer (Emberiza citrinella) benannt.
Die Goldammer ist volkstümlich regional auch unter den Namen Hämmerling, Ammerling, Ammeritz, Gelbling, Gilberitz, Gelbgans, Bauernkanari, Winterlerche oder Gielemännchen bekannt.
Text und Fotos:
Michael Rudolph


