Serie: Klimaschutz im Garten von Dr. Jürgen Bönig

Bäume für Licht und Schatten

Wir erinnern uns: Es war heiß Ende Juni im Sommer. Glücklicherweise geht unser Wintergarten nach Norden raus – so konnten wir das Licht aus dem Süden auf dem Beet im Norden betrachten und mussten die Sonne nicht mit Jalousien und Vorhängen aussperren.

Die Hamburgerin Ulrike Brandi, die nicht nur die Beleuchtung der Elbphilharmonie gestaltet hat, preist das Licht, das durch das Blätterdach der Bäume schimmert. Für diese Sonnenstrahlen, die von den Blättern reflektiert werden, durch Lücken blitzen und streifend einfallen, habe das Japanische ein eigenes Wort – „Komorebi“.

Immergrüne Bäume und Hecken hingegen sperren das Licht aus, lassen die Erde trocknen und bringen uns um das Schauspiel des Frühlings. Wenn die Blätter sich noch nicht entfaltet haben, beeilen sich Frühblüher, die Blätter dem Licht entgegenzustrecken, zu blühen und Kraft in Samen, Wurzeln, Knollen und Zwiebeln zu speichern, bevor die Blätter des Baumes jeden Teil des Himmels abdecken.

Laubabwerfende Gehölze und Sträucher hingegen lassen im Winter das rare Licht zu uns gelangen, im Frühjahr färben sie die stärker werdenden Lichtstrahlen zartgrün, im Sommer spenden sie Schatten auf bewegte Weise und im Herbst können wir die entfärbten Photosynthese-Apparate sammeln und zu gutem Kompost anhäufen.

Den Baum, den Sie bewusst pflanzen, sollten Sie vorher schon ein wenig kennen. Bäume können immer größer werden als man denkt und stehen sich gegenseitig im Weg; sie brauchen eine lange Zeit, um zu wachsen und bieten uns das Bild des Aufstrebens der Pflanze, Blühen und Abwerfens von Ästen und schließlich der Früchte und des Laubes – nie genauso wie im Vorjahr. Aber wie groß wird so ein Gewächs? Wird es ein ganzes Universum für Eichhörnchen, Baumläufer und Krähen wie unser Bergahorn? Welche Sträucher können ihn schützen, welche Blumen ihn umspielen in den unterschiedlichen Stadien seines Wachstums? Obstbäume sind auch nicht schlecht, die neben gedämpftem Schatten auch noch Früchte liefern – vielleicht aber besser als Spalier am Haus?

Der Standort will wohlüberlegt sein: In welcher Himmelsrichtung sollte ein Baum stehen, wo seinen Platz haben neben Zaun, Pforte und Terrasse? Besser nicht zu dicht an der Grundstücksgrenze wie die ausgeschossenen Hecken, die zu großen Bäumen werden. In Zeiten intensiver Sonnenstrahlung wäre auch ein Standort im Süden Ihres Grundstücks angebracht, damit Schatten und Schutz vor sengender Hitze entsteht.

Wenn die Sonne dann knallt, stellen Sie den Stuhl oder die Liege in das flirrende Licht der Blätter. Und wenn die Sonne sich weiterbewegt hat, wandern Sie mit zu einem anderen Sitzplatz. Ein Garten kann kaum genug Sitzplätze haben, ein leerer Stuhl macht gespannt auf das Schöne, das dort stattfinden könnte.

Vielleicht brauchen Sie hier und dort noch einen Sonnenschirm, ein Sonnen-Segel oder eine Markise. Aber die alle sind nicht so durchlässig, lebendig und beweglich wie ein Baum: Der lässt das Licht tanzen, atmet Kohlenstoffdioxid ein, Sauerstoff und Wasser aus. Seine Blätter leiten den Regen auf tausend Wegen der Erde zu. Das Blätterdach hat Lücken, wo die Strahlenwärme das Wasser verdunstet und milden Schatten, wo die Tropfen lange hängen bleiben. Der Baum steht dem Wind entgegen, wiegt sich sanft oder stärker und raubt ihm die Kraft.

Mit einem Baum gehen Sie eine Verpflichtung ein – sich um ihn zu kümmern, wässern, pflegen, düngen, schneiden oder schneiden zu lassen, von Laub und trockenen Ästen zu befreien. Wenn Sie sich das Wohlergehen und Entfaltung des Baumes kümmern, wird er Ihnen dafür das besondere Licht schenken, das durch die fast unzählbaren Blätter fällt, die in der Sonne tanzen. Was kann es also Besseres geben für Dunkelheit und Helle im Garten als Bäume, große und kleine, mit unterschiedlichem Laub und Stamm, die Sie jedes Jahr mit veränderter Gestalt, Farben und verwandeltem Licht überraschen.