Das Stavenhagenhaus

Jubiläumsfeier zum 50. Jubiläum als kulturelles Zentrum Groß Borstels siehe Bericht im „Boten“ Nov. 2012 S. 16 ff

Geschichte des Hauses

Seit 1651 hatten wohlhabende Hamburger Bürger den Frustberg in Groß Borstel zu ihrem Sommersitz gewählt. Etwa 50 Jahre später war der Park im Besitz des Platwerkers (Tuchhändlers) Eybert Tiefbrunn, der an die Stelle der alten Reetdachkate ein herrschaftliches Backsteinhaus, unser heutiges Stavenhagenhaus, errichtete.
Über der Eingangstür ist das Relief seines Familienwappens zu sehen, das die Jahreszahl 1703 trägt. Eine verspätete Eigentumsübertragung von seinem Vorgänger Johann John auf Eybert Tiefbrunn im Jahr 1704 ließ zunächst den Eindruck entstehen, dass bereits Johann John der Erbauer des Backsteinhauses sei. Ein Dokument des Klosters St. Johannes besagt jedoch, dass Tiefbrunn schon 1702 eine Anzahl Bäume im Frustbergpark für den Bau des Hauses fällen ließ und damit auch im Besitz des Parks gewesen sein muss. Er ahnte nicht, dass er uns mit diesem Herrenhaus ein baugeschichtlich seltenes Beispiel aus seiner Zeit hinterlassen sollte.

Dieses Barockhaus ist das älteste erhaltene Beispiel aus dem frühen 18. Jahrhundert. Der Sohn von Eybert Tiefbrunn legte den großen Teich sowie die – noch heute als Rest vor den Reihenhäusern der Frustbergstraße 19-25 vorhandene – doppelreihige Lindenallee an. Der Park umfasste die Straßen Borsteler Chaussee, Schrödersweg, Lokstedter Damm und Warnckesweg.

Größte gesellschaftliche Bedeutung als Sommersitz erhielt der Frustberg mit seinem Herrenhaus durch Elisabeth Gossler, geb. Berenberg (Bankhaus Berenberg Gossler & Co.), die das Anwesen 1793 kaufte. Großartige Feste mit Feuerwerk machten das Haus zu einem beliebten Treffpunkt der Gesellschaft.

Viele berühmte Gäste gingen im Herrenhaus ein und aus, z.B.der Feldmaschall Blücher und der Maler Philipp Otto Runge. Die großangelegten Gewächshäuser mit Kakteenzucht und anderen Exoten waren bekannt. Runge bewunderte in einer Juninacht des Jahres 1810 die blühende „Königin der Nacht“.

Während der französischen Besatzungszeit mußte das Haus für Einquartierungen herhalten. Franzosen und Kosaken gaben sich die Klinke in die Hand. Es soll recht hoch hergegangen sein.

1822 erwarb Dr. med. Wilhelm Schröder den Park. Nach ihm ist der Schrödersweg benannt. Wilhelm Schröder war mit der ältesten Tochter des reichen Bankiers Salomon Heine, Fanny, verheiratet. Mit 605 Hektar (6.050.000 qm²) war er zu dieser Zeit der größte Grundbesitzer in Groß Borstel, ihm gehörte u.a. auch das Kirchengrundstück. Sein Enkel, Dr. Otto Nanne, übernahm 1872 den Frustberg. Stück für Stück verkaufte er in den kommenden Jahren seinen Grundbesitz. Als er sich 1906 endgültig davon trennte, war dieser nur noch 225 Hektar groß. Er hatte noch den Bau der Frustbergstraße beantragt. Doch erst sein Nachfolger, der Lederfabrikant August Herbst, ließ die Arbeiten noch im gleichen Jahr ausführen.

August Herbst ließ auch die Jugendstilvilla am anderen Ende der Frustbergstraße, Ecke Schrödersweg, von dem bekannten Architekten Fritz Höger erbauen. Dort wohnte er seit der Fertigstellung im Jahre 1910 mit seiner Familie und vermietete das Herrenhaus. Wegen der Weltwirtschaftskrise 1928/29 sah er sich gezwungen, sein Anwesen zu verkaufen.

Die Stadt Hamburg war nun neuer und letzter Besitzer des Frustbergs. Sie stellte 1937 das Herrenhaus unter Denkmalschutz. Doch durch zahlreiche Einquartierungen während und nach dem II. Weltkrieg verkam das Gebäude und wurde für unbewohnbar erklärt. Auch die Stadt parzellierte wegen der großen Wohnungsnot weiter, so daß das Grundstück bis 1957 auf 4800 qm² zusammenschrumpfte.

Das Schicksal des Herrenhaus blieb jahrelang ungewiß. Als es aber hieß „Abriß des Hauses“, setzten sich die Groß Borsteler einmütig und mit großem Engagement für dessen Erhalt ein. Die Verfechter der Idee, das Haus als Kulturzentrum zu erhalten, erreichten endlich 1961 ihr Ziel: es wurde aus Lotto-und Totomitteln vollständig renoviert. In Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz ging man dabei sehr vorsichtig vor, um die ursprüngliche Bauweise zu bewahren.

Am 12. Oktober 1962 wurde das Herrenhaus unter Anwesenheit des damaligen Innensenators Helmut Schmidt feierlich eingeweiht und erhielt den Namen „Stavenhagenhaus“.

Fritz Stavenhagen war ein bekannter niederdeutscher Dichter. Er wurde 1876 in Hamburg geboren und lebte bis 1906. Die letzten beiden Jahre seines Lebens verbrachte er in Groß Borstel in der Königsstraße. Zu seinem Andenken wurde sie 1925 in Stavenhagenstraße umbenannt. Auch ein Denkmal erinnert an Fritz Stavenhagen. Es steht jetzt gegenüber dem Haupteingang des Stavenhagenhauses.

Stavenhagen schrieb überwiegend niederdeutsche Dramen, die auch heute noch teilweise aufgeführt werden. Zu den bekanntesten gehören „Mutter Mews“, „Der Lotse“, „De dütsche Michel“, „Jürgen Piepers“ und „De ruge Hoff“.

Heute ist das Stavenhagenhaus ein beliebtes Zentrum der Stadtteilkultur in Groß Borstel und auch „Wappen“ des Kommunal-Vereins von 1889 in Groß Borstel r.V. und des Groß Borsteler Boten.

Traute Matthes-Walk, im März 2006