Groß Borstel erlebte am 12.9. im Kirchensaal der Gemeinde St. Peter eine der typischen Info-Veranstaltungen der Behörden zur Flüchtlingsunterbringung. Diesmal: Folgeunterkunft im historischen Pehmöllers Garten.

Das Parkgrundstück zwischen Papenreye und Borsteler Bogen ist bekanntlich vom Senat gekauft worden, der es für die Flüchtlingsunterbringung verwenden wollte. Den Senatsbeamten war beim Kauf wohl nicht klar, dass sie ein Grundstück mit einem Jahrhunderte alten, kulturhistorisch wertvollen Gartendenkmal erworben hatten, den Garten des Senators Pehmöller (Ϯ 1845). Vermutlich hatten die Käufer das Grundstück einfach blind gekauft, es auf der Landkarte als unbebautes Grundstück identifiziert. Sonst hätten sie den wertvollen alten Baumbestand gesehen und erkannt: Hier kann auf keinen Fall gebaut werden.

Kommunal-Verein, Bezirk und einzelne Politiker protestierten sofort gegen die Pläne – danke Harald Rösler, Jörg Lewin und Michael Werner-Boelz – und reduzierten das Projekt in Verhandlungen von zunächst geplanten 1.100 Plätzen auf 700 und schließlich 400 für eine Folgeunterkunft. Das Projekt mit 400 Plätzen wurde nun vorgestellt.

Es sollen an der Papenreye vier identische viergeschossige Bauten in Stahlrahmenbauweise entstehen, und in dem Grundstücksteil zum Borsteler Bogen ein weiteres viergeschossiges und ein dreigeschossiges Gebäude. Alle mit Gemeinschaftsräumen für Unterricht und Freizeitaktivitäten, zusätzlich zu den relativ kleinen Wohnungen. Belegung: 2 Personen auf 14 m². Drei- und Zwei-Zimmer-Wohnungen für Familien (mehr als 60 % der Bewohner) und Alleinstehende. Betrieben werden soll die Unterkunft von Fördern und Wohnen.

Das Grundstück des Flüchtlingsheims soll mit Hecken oder Zäunen eingefriedet werden. Ein relativ großer Teil von Pehmöllers Garten wird so erhalten und soll von Stadt und Bezirk gepflegt werden. Allerdings: Geld steht für die Parkpflege steht bislang nicht zur Verfügung. Bezirksamtsleiter Rösler ist aber sicher, den Park „peu á peu gemeinsam in kleinen Schritten“ der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Dazu seien Zuwegungen zu planen und die Verkehrssicherheit (Kronenschnitt) zu gewährleisten.

Unmut kam im Plenum immer wieder auf. Groß Borstel hat jetzt schon im Vergleich zu anderen Stadtteilen übermäßig viele Flüchtlinge aufgenommen: Über 10 % der Einwohner Groß Borstels sind Flüchtlinge. Mit einigen von Anfang an protestierenden Initiativen aus anderen Stadtteilen ist ein Bürgervertrag geschlossen worden, der maximal 300 Flüchtlinge vorsieht. Der Kommunalverein hat sich an diesen Protesten nicht beteiligt, die sich – wie in Eppendorf – häufig grundsätzlich gegen Flüchtlingsunterkünfte in der Nachbarschaft richteten. Und sieht sich nun – wie ein Teilnehmer sagte – erneut mit einer „Klatsche gegen die Bürger“ konfrontiert.

Schlecht vorbereitet zeigte sich das Moderatorenteam beim Thema Aufnahmekapazität der Schulen. Dass Groß Borstel mit dem Baugebiet Tarpenbeker Ufer zusätzlich 2.000 Einwohner bekommen wird, hatte der Vertreter der Schulbehörde schlicht vergessen. Upps.

Auf die Frage: Was kostet das Ganze, mit welcher Qualität bei den Wohnungen haben die Flüchtlinge zu rechnen? gab es nur umständlich ausweichende Antworten. Minutenlang. Keine konkrete Zahl. Transparenz sieht anders aus.

Kürzer dagegen die Antwort auf eine Frage des Groß Borsteler Architekten Henning Matthes: „Kann man an den Gebäuden, so wie sie auf der Planzeichnung zu erkennen sind, noch etwas ändern?“ Behörde: „Nein!“

Proteste formulierten auch einige Versammlungsteilnehmer, die die Islamisierung Groß Borstels befürchten. Denn: „Das sind doch alle Muslime.“ Dem wurden die ausnahmslos guten Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit der Kirchengemeinde St. Peter entgegen gehalten, die schon seit Langem dienstags mit Flüchtlingen und Groß Borstelern einen offenen Nachmittag mit Kochen und gemeinsamer Freizeit anbietet.

Immerhin, so das Fazit aus dieser Versammlung: Der Park bleibt weitgehend erhalten und wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Häuser sollen besser aussehen als die üblichen 08/15-Unterkünfte. Und Harald Rösler hat aus der Versammlung eines noch mitnehmen können: Die Groß Borsteler sind mit 300 Plätzen für Unterkunft grundsätzlich einverstanden. Er will also versuchen, so sagt er zum Abschluss,  in Gesprächen mit dem Betreiber und den Behörden den Forderungen des Kommunal-Vereins noch etwas weiter entgegenzukommen. Aber bitte: Nicht „peu á peu in kleinen Schritten“, sondern nun mal richtig.

Uwe Schröder