Fritz Stavenhagen

fritzstavenhagen_denkmal1Es gibt wohl keinen Einwohner in Groß Borstel, der nicht das große Herrenhaus in der Frustbergstraße 4 - das Stavenhagenhaus - kennt. Nach der Stavenhagenstraße befragt, würde sicher schon eine Reihe Groß Borsteler keine erschöpfende Auskunft geben können. Wie viele Groß Borsteler aber können die Frage nach dem Namensgeber Fritz Stavenhagen beantworten? Wer war Fritz Stavenhagen, wann lebte er und was machte ihn berühmt?

Fritz Stavenhagen wurde am 18.9.1876 in Hamburg als Sohn eines aus Mecklenburg stammenden Kutschers geboren und starb -  noch nicht 30 Jahre alt - am 9.6.1906 an einem Gallenleiden. In den letzten zwei Jahren seines kurzen Lebens wohnte er in der Königstraße in Groß Borstel, die nach seinem Tod nach ihm benannt wurde. Als das während des II. Weltkrieges völlig heruntergekommene Herrenhaus in der Frustbergstraße abgerissen und im Jahre 1962 aus Lottomitteln originalgetreu wieder aufgebaut worden war, benannte man es nach Fritz Stavenhagen, dem niederdeutschen Dichter.

Was seine Bedeutung ausmacht, ist sehr schön in einer Würdigung im Dichterbuch von Jakob Bödewadt "Zwischen den Meeren" aus dem Jahre 1920 beschrieben, die wir nachstehend abdrucken:

"Für die niederdeutsche Bühne zumal, aber auch für die dramatische Dichtung überhaupt, bedeutete es einen schweren Verlust, als das Schicksal Fritz Stavenhagen schon im Alter von 30 Jahren aus Leben und Schaffen abrief. Der in Hamburg geborene Nachkomme eines mecklenburgischen Bauerngeschlechts war nicht nur auf bestem Wege, durch die Lebensfülle und Bühnenwirksamkeit seiner plattdeutschen Dramen der Stammessprache Niederdeutschlands das Theater im weiten Umfange zu erobern; er wie kein anderer hatte, von der sprachlichen Seite seiner dramatischen Werke ganz abgesehen, die Anlage und Aussicht, der deutsche Lustspieldichter großen Stils zu werden. Was er in seinem allzu kurzen Leben hat schaffen können, ragt schon zum guten Teil in die große Literatur hinein; denn die Gabe der plastischen Menschengestaltung und der überlegen sicheren Handlungsführung, das Kennzeichen für den geborenen Dramatiker, tritt schon in den ersten Versuchen zutage und erscheint bald zur Meisterschaft entwickelt.

Der niederdeutschen Dichtung im besonderen gehören die Dramen in doppelter Hinsicht zu eigen: einmal wegen ihrer plattdeutschen Sprache, die sich hiermit zum erstenmal wieder Zugang zur ernsten Bühne verschafft hat, dann aber vor allem wegen ihres Gehalts, wegen des ausgesprochenen niederdeutschen Charakters der Menschen und Zustände, die in ihnen dargestellt werden. Das niederdeutsche Drama 'Mudder Mews' hat in seiner Titelgestalt nicht nur einen Einzelmenschen plastisch herausgearbeitet, sondern zugleich einen Typus getroffen, dessen Verwandte wohl jedem Niederdeutschen schon einmal begegnet sind. Für den krausen Humor und den tieferen Sinn der Komödie 'De düütsche Michel' wird dagegen nicht jeder Geschmack und Verständnis aufbringen. Sein letztes Werk, die stark satirische Komödie 'De ruge Hoff' ist wieder nur realistisch und somit jedermann ohne weiteres zugänglich, zwar nicht gerade erquicklich – aber es ist ja nicht Aufgabe der Kunst, allein das Gefällige darzustellen, auch die Schattenseiten gehören zu seinem Gesamtbild. Aber auch die erzählende Darstellung und außerordentliche Charakterisierungskunst steht dem Dichter zur Verfügung in der heiteren Plauderei 'De Köksch'."
Auszug aus "Die Chronik Hamburgs"

 

Traute Matthes-Walk, im April 2001