| Säuglingsheim Marienruh, heute Schule Lokstedter Damm |
| Mittwoch, 02. Juni 2010 | |||||||||||||||
Wo sich heute die Kinder der Schule Lokstedter Damm tummeln, ließ 1898 ein sehr interessanter Mann das Säuglingheim Marienruh errichten: der Hamburger Kaufmann Eduard Lippert (siehe Bildbeilage, Foto Nr. 1). Ein Jahr zuvor war seine Frau Marie, geb. Zacharias, gestorben. Zu ihrem Andenken nannte er das Heim Marienruh. Es war für Säuglinge und Kleinkinder bis zu 6 Jahren gedacht. Danach wurden die Kinder ihren Eltern wieder zurückgegeben, wenn sich deren Verhältnisse gebessert hatten, oder es fanden sich Pflegeeltern. Das Heim wurde von einer Oberschwester geleitet. Drei Pflegeschwestern hatte je 12 Kinder zur Betreuung, darüber hinaus standen vier Dienstmädchen zur Verfügung.
Eduard Lippert (1844-1925) war ein reicher Kaufmann und hatte nicht nur das Säuglingsheim in Groß Borstel, sondern noch weitere soziale Einrichtungen in Hamburg gestiftet, z.B. ein Kinderheim in Hohenbuchen bei Poppenbüttel und ein Erholungsheim für berufstätige junge Mütter in Poppenbüttel. Seit frühester Jugend war er begeisterter Freund der Astronomie. Als die Sternwarte nach Bergedorf verlegt wurde, unterstützte er diese 1903 durch die Schenkung eines kostspieligen photographischen Fernrohres. Es wurde von der Firma Carl Zeiss erbaut und zur Erinnerung an seinen Stifter “Lippert-Astrograph” genannt. Den ersten, mit dem Lippert-Astrographen entdeckten kleinen Planeten (846) nannte man “Lipperta”. Woher kam das viele Geld, das er so großzügig spendete? Er war Sohn eines selbständigen Hamburger Kaufmanns, der u.a. in Südafrika eine Zweigstelle hatte. Dadurch reiste er zunächst geschäftlich dorthin, zog aber mit 36 Jahren (1880) ganz nach Johannisburg und gründete sein eigenes Unternehmen. Wie viele in diesen Jahren, wurde er schnell sehr reich durch das Gold- und Diamantengeschäft. Dabei erhielt er erhebliche Unterstützung von seinem Vetter Alfred Beit, der auch kein Unbekannter in Groß Borstel war. Er war Eigentümer des Borsteler Jägers und schenkte ihn nach seinem Tod 1906 dem Hamburger Staat. Ende der 1880er Jahre hatte Eduard Lippert vom König Lobengula im Matabeleland (später Rhodesien, heute Zimbabwe) die Konzession bekommen, um dort nach Gold- und anderen Bodenschätzen zu suchen, d.h., ihm wurde Land überlassen. Doch dadurch geriet er ungewollt in die große Politik. Es war die Zeit der Kolonialisierung. Die Engländer besaßen bereits die Kapkolonie und waren dabei, sich weiter nach Norden auszudehnen. Der starke Mann der Kapkolonie war der ebenfalls durch das Diamantengeschäft reich gewordene Engländer Cecil Rhodes. Im Gegensatz zu Lippert hatte er auch politische Ambitionen. Er war Mitglied des Parlaments der Kapregion und war der britischen Regierung in jeder Hinsicht behilflich bei der Expansion ihrer Kolonien.
Die Landkonzessionen von Lippert im Matabeleland (siehe Karte) riefen jetzt den Engländer Cecil Rhodes auf den Plan. Dieser versuchte, von Lobengula ebenfalls Schürfrechte zu bekommen, erhielt jedoch - wie sich später herausstellte - nur Rechte unter der Erde, die - wie man sich denken kann - im Gegensatz zu Lipperts Konzessionen nichts wert waren. Lippert musste fast ein Jahr lang (1891) um seine Rechte kämpfen. Zum Glück endete dieser ungleiche Kampf mit einem Sieg für Lippert.
Traute Matthes-Walk |
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