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So war es früher: Frucht- und Gemüse K.H. Foerster, Borsteler Chaussee/Ecke Brödermannsweg |
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Montag, 29. Juni 2009 |
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Erraten Sie, wo wir uns auf dem oben abgebildeten Foto befinden? Die
Aufnahme stammt aus dem Jahr 1955, ist also mehr als 50 Jahre alt. Zu
dieser Zeit stand noch das alte Schulgebäude an der Ecke
Brödermannsweg/Borsteler Chaussee (siehe Vordergrund links). Von dort
geht der Blick in Richtung Borsteler Chaussee, die noch nicht ausgebaut
war und die Lindenallee - leider ohne Blätter - zeigt, ebenso auf der
linken Straßenseite die alten Häuser, bevor diese durch den Klinkerbau
mit dem Modeladen und dem K & K Radsport ersetzt wurden. Wenn Sie
genau hinsehen, erkennen Sie vielleicht auf dem Mittelstreifen die
Schienen der Straßenbahnlinie 18, die bis 1966 fuhr. Auf der rechten
Seite des Fotos hinter dem geparkten Lastwagen sieht man das ehemalige
Frucht- und Gemüsegeschäft der Familie Foerster. 1949 begann sie mit
einem einfachen Stand vor dem alten Eckhaus, an dem sie Obst und Gemüse
verkauften.
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Ihre Lebensgeschichte ähnelt vielen Schicksalen, die sich in den
Kriegs- und Nachkriegsjahren zugetragen haben, und ist doch ihre ganz
eigene, unverwechselbare.
Karl Heinz Foerster, 1923 in Neusalz in Niederschlesien geboren, hatte
das Schlachterhandwerk erlernt, konnte es durch den Beginn der II.
Weltkrieges aber nicht mehr ausüben. Er wurde eingezogen und kam mit
seiner Kompanie nach Russland. Seine spätere Frau Paula wurde 1922 in
Hamburg geboren, und sie hätten sich nie kennen gelernt, wäre Paula
nicht zunächst zum Arbeitsdienst nach Freystadt und später nach Neusalz
zum Kriegshilfsdienst eingesetzt worden. Das Schicksal wollte es, dass
Karl-Heinz sehr krank wurde und zum Heimaturlaub zurück nach Neusalz
kam, dort lernten sie sich kennen und lieben. Noch während des Krieges
zogen sie nach Hamburg und heirateten dort 1944. In kurzen Abständen
wurden ihre beiden Kinder Wolfgang (1945) und Jutta (1946) geboren.
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Schon drei Jahre nach ihrem Start bauten sie sich 1952 eine kleine
Holzbude im Vorgarten des Eckhauses an der Borsteler
Chaussee/Brödermannsweg.
Mühsam hatte man Geld dafür zusammengespart, aber „schon bevor die Bude
vollständig abbezahlt war, durften wir mit dem Verkauf beginnen,“
erzählt Frau Foerster. Nun ging`s kontinuierlich aufwärts. Die Holzbude
wurde erweitert. Auch das Glück war den Foersters hold, Karl-Heinz
spielte Lotto – und gewann, nicht den „großen Wurf,“ dafür aber mehrere
kleine! So konnten sie nach und nach ihr Geschäft ausbauen, bis endlich
ca. 1960 ein fester Anbau daraus wurde. |
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Das erste Auto - ein Tempo - wurde durch einen properen Lastwagen
ersetzt, den sie zu Groß Borsteler Festen fantasievoll gestalteten. |
Noch eine hübsche Geschichte berichtete mir Paula Foerster. Eines Tages
- es muss Ende der sechziger Jahre gewesen sein - kam ein junger Mann
in den Laden. „Er war ein armer Schlucker und wohnte in einer
Wohngemeinschaft in der Köppenstraße.“, erzählt sie, „Hin und wieder
half er bei Lieferungen, die Waren abzuladen und in den Kühlraum im
Keller zu tragen. Dafür erhielt er zum Lohn Obst und Gemüse,“ Der junge
Mann war Otto – Otto Waalkes, zu dieser Zeit noch ganz unbekannt, aber
doch schon aktiv am Basteln zu seiner späteren Karriere. „Hätte ich das
gewusst, dann hätte ich seine ´Ottifanten`, die er mir irgendwo
hinkritzelte, mit Sicherheit aufgehoben!“, sagt sie bedauernd. Auch im
damaligen Imbiss an der Ecke Köppenstraße (heute Lucullus) war Otto oft
mit seinem kanadischen Freund zu sehen, machte Musik und malte seine
Ottifanten.
Das „Aus“ für Foersters und ihr Geschäft kam unerwartet. Im Jahr 1972
berichtete der „Stern“ in einem Artikel mit der Überschrift „Tod des
Einzelhändlers“ über den bevorstehenden Abriss des Eckhauses und damit
auch des Anbaues von Foersters. Nicht der Tod von Karl-Heinz war
gemeint, sondern das allgemeine Sterben der „Tante Emma Läden.“

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Der feste Anbau des Obst- und Gemüsegeschäftes von Foersters. Das
Geschäft blieb noch bis ca. 1975 bestehen, dann entstand der heutige
Neubaukomplex mit der Haspa. |
Doch die Geschichte der Familie Foerster endet nicht tragisch. Sie
ziehen zwar aus Groß Borstel fort, auch eröffnen sie kein neues Obst-
und Gemüsegeschäft. Herr Foerster aber machte einen beruflichen
Neuanfang bei Schrauben-Reyer.
Privat hatte ihre ganze Liebe schon lange dem Land Spanien gehört,
wohin sie ausnahmslos in ihren Ferien gereist waren. Etwa 1970 kauften
sie sich eine Eigentumswohnung in Tabernes und übernahmen dort ein
Restaurant. Noch heute reist Paula Foerster jedes Jahr nach Spanien und
besucht ihren dort verheirateten Sohn Sebastian, der jetzt das
Restaurant weiterführt. Traute Matthes-Walk
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