| Geschichte des Kommunal-Vereins |
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Die Gründerjahre: Pioniergeist bei der Wandlung vom Dorf zum Stadtteil 1919 -1945: Wechselhafte Zeiten in denen die Vereinszeitung, der Groß Borsteler Bote entsteht Neuanfang und die weitere Entwicklung bis Heute Die Gründerjahre Mit Vorsatz und Bedacht wurde dieser Verein bei seiner Gründung am 31. August 1889 "Kommunal-Verein" und nicht "Bürger- oder "Heimatverein" genannt. Nach dem Willen seiner Gründer, der Herren Pann, Evers, Koch, Dr. Nanne, Ehlers und Albert, sollte die Mitwirkung bei kommunalen Fragen auf streng überparteilicher Basis die zentrale Aufgabe des Vereins sein. Dieser Gedanke ist auch heute noch für seine Arbeit richtungsweisend. Und so ist die Geschichte des Kommunalvereins auch die Geschichte Groß Borstels. Zum Zeitpunkt der Gründung hatte Groß Borstel kaum mehr als 1.500 Einwohner gegenüber rund 8.300 heute. Doch das ehemals kleine Dorf mauserte sich bald zu einem idyllischen Vorort Hamburgs. Ein rückschrittliches Dreiklassenwahlrecht, in dem die wenigen großen Grundbesitzer die Mehrheit besaßen, und die allumfassende Macht der hamburgischen "Landherrenschaft der Geestlande" machten es erforderlich, sich mit Nachdruck für die zeitgemäße Entwicklung Groß Borstels einzusetzen. Und das tat dann auch der damals gegründete Verein mit Nachdruck und Vehemenz: Zunächst forderte er eine Pferdebahn nach Eppendorf und sammelte dafür sogar das Aktienkapital. Dann galt es, Groß Borstel mit Strom zu versorgen, wobei man den Bau eines eigenen Elektrizitätswerkes ins Auge fasste. Die Verbesserung des Schulwesens wurde in Angriff genommen und eine eigene Kirche gefordert; denn Groß Borstel gehörte damals noch zum Kirchspiel Eppendorf. Es dauerte dann allerdings noch bis 1947, bis eine rechtlich eigenständige Gemeinde entstand, die mit dem Bau von St. Peter 1959 auch einen eigenen Kirchbau erhielt. Dem unermüdlichen Einsatz des Kommunal-Vereins war es auch zu verdanken, dass die störenden militärischen Schießstände um 1903 aus dem Eppendorfer Moor an das nördliche Ende der Borsteler Chaussee verlegt wurden. Dafür musste der Senat damals rund eine halbe Millionen Goldmark aufwenden. Ferner ließen die Wegeverhältnisse zu wünschen übrig, und Post und Polizei waren auch verbesserungswürdig. Mit Eingaben befreite der Verein die Einwohner von den Lasten der militärischen Einquartierung und plante sogar eine Badeanstalt an dem Tarpenbek. Für die Gemeinderats- und Bürgerschaftswahlen wurden zusammen mit benachbarten Bürgervereinen eigene Kandidaten aufgestellt.
Als dann 1903 der langjährige Schriftführer und Mitbegründer des Vereins, R. Albert, starb, konnten die übrigen Vorstandsmitglieder diese Lücke nur mühsam schließen. Vierzehn Jahre lang war Albert der Motor des Vereins gewesen. Nach seinem Tode entstand dann in Groß Borstel ein Konkurrenzverein, der "Ortsverein", mit dem es erbitterte Fehden gab. Doch bald konsolidierten sich unter dem Vorsitzenden Dr. Reimers (1903 - 1911) und seinem Stellvertreter Schröder (1899 - 1912) die Verhältnisse wieder. Man konnte nun die Früchte der Arbeit des tüchtigen Rektors Albert ernten: 1903 kam mit der Linie 24 die erste Straßenbahn in diesen Vorort und 1913 wurde Groß Borstel endlich eingemeindet. Im gleichen Jahr übertrug der Senat dem Verein die Aufgabe, eine "Gemeinde-Volksbücherei" zu führen. Diese Bücherei bestand bis 1962 und ging dann in der "Hamburger Öffentlichen Bücherhalle" auf. Im Ersten Weltkrieg ruhte die Arbeit. Doch bereits 1919 konnte der Verein sein Wirken fortsetzen. Allerdings blieb die Tätigkeit von den politischen Wirren der damaligen Zeit nicht verschont. Der Vorstand wechselte in rascher Folge und konnte sich erst 1921 mit Dr. Lührsen als 1. Vorsitzenden, dem Oberbaurat Lorenzen als Stellvertreter und dem Lehrer Soltau als Schriftführer wieder konsolidieren. In das Jahr 1919 fällt auch die Gründung der Zeitung des Vereins, des "Groß Borsteler Boten" Diese Monatszeitung hat inzwischen eine Auflage von 5.000 Exemplaren erreicht und wird kostenlos an alle Groß Borsteler Haushalte verteilt. Noch während der Inflation konnte mit Spenden des Vereins und vieler Groß Borsteler Bürger das Denkmal auf dem Licentiatenberg finanziert werden. Die Not des verlorenen Krieges und die dann folgende große Arbeitslosigkeit gaben dem Verein in dieser Zeit mannigfache Aufgaben. So kümmerte er sich um eine zum Schutze der Bürger eingerichtete "Bürgerwehr" und übernahm mit allgemeinen karitativen Aufgaben (Armenspeisung usw.) auch die Einrichtung einer Sterbekasse.
Schwierigkeiten gab es in zunehmendem Maße nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten: der Verein begrüßte zwar im April 1933 den "Umschwung" und gab eine Loyalitätserklärung für den neuen Senat ab, auch ließ er sich schnell "gleichschalten", musste das "Führerprinzip" übernehmen und nach anfänglichen Sträuben auch den "Arier-Paragraphen" in die Satzung einfügen. Doch alle Botmäßigkeit den neuen Herren gegenüber nutzte nichts: da dem Nationalsozialismus mit seinem Prinzip "Ein Reich - ein Volk - ein Führer" die Bürgervereine als Organisationsform nur eines Teils der Bevölkerung nicht genehm waren, wurde die kommunale Arbeit immer weiter eingeschränkt und 1937 schließlich ganz unterbunden. Infolgedessen häuften sich die Austritte, seit dem Juli 1941 gibt es für die verbliebenen ca. 50 Mitglieder offensichtlich keine Veranstaltungen mehr, das Protokollbuch, das bis dahin die immer seltener stattfindenen Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen penibel dokumentiert, weist nur noch leere Seiten auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es der Justizamtmann Wilhelm Bähr, der zusammen mit seinen Mitarbeitern Paul Schröter, Carl Böttcher, dem Ehepaar Moog und Lissy Kugel 1948 den Verein wiedererstehen ließ. Mit Unterstützung der Firma Strüver konnte von 1951 - 1957 eine Speisung bedürftiger Bürger durchgeführt werden. 1952 wurde mit einer Festrede von Professor Dr. Geffert das Gustav-Falke-Denkmal eingeweiht. Mit Hilfe vieler Freunde, insbesondere des ehemaligen Präsidenten des Rechnungshofes, Dr. Hans Harder, der Leiter des Denkmalschutzamtes, Professor Grundmann und seinem Nachfolger Dr. Gerhardt,sowie der Abgeordneten Rieckhoff und Raloff, konnte das 1703 erbaute "Herrenhaus" in der Frustbergstraße vor dem Abbruch gerettet werden. Heute ist es als "Stavenhagenhaus" weit über Groß Borstels Grenzen hinaus bekannt. Von 1967 - 1973 lenkte Dr. Wanser die Geschicke des Vereins, unterstützt von seinem Stellvertreter, Gerhard Rudolph, der 1973 dann als sein Nachfolger zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Im Jahre 1968 wurde die verbreiterte Borsteler Chaussee eingeweiht. Dafür mussten allerdings die Bäume der alten Lindenallee gefällt werden. 1971 konnte der Plan, einen Autobahnzubringer mitten durch Groß Borstel zu führen, durch eine große Bürgerinitiative verhindert und 1973 das historische Strohdachhaus des Grönlandforschers Dr. Georgi vor dem Abriss bewahrt werden. Der Borsteler Jäger und weite Teile des Grüngebietes, die für die Flughafenerweiterung vorgesehen waren, wurden durch Mitarbeit am Flächennutzungsplan gerettet. Umweltschutz und die Erhaltung der "Grünen Lungen" werden auch weiterhin wichtige Aufgaben des Vereins bleiben. In den letzten Jahren konnten in Groß Borstel mehr als 2.000 neue Bäume gepflanzt werden. Ab 1982 übernahm Rembert Müller den 1. Vorsitz des Kommunal-Vereins. Wenige Monate nach Beginn seiner Amtszeit stand das Thema "Bau der Papenreye" auf der Tagesordnung, ein Thema, das die Bürger des Stadtteils in zwei Lager - pro und contra Durchbau Papenreye.- spaltete. Hierbei ging es im wesentlichen um den Umgang mit dem Durchgangsverkehr, der Groß Borstel belastet. Der Kommunal-Verein widersetzte sich dem Durchbau der Papenreye vehement - ohne Erfolg. 1988 beschloss der Senat, die Straße Papenreye, die von Niendorf kommend in einer Sackgasse an der Tarpenbek endete, durchzubauen und an das Spreenende anzuschließen. Die Straße wurde 1994 für den Verkehr freigegeben. Nach wie vor ist das Bemühen um eine Entlastung des Stadtteils vom Durchgangsverkehr ein gewichtiges Anliegen des Vereins. 1983 konnte die Bücherhalle in Groß Borstel durch massiven Einsatz der Bürger vor der geplanten Schließung gerettet werden. In die Amtszeit von Rembert Müller fiel auch das 100jährige Jubiläum des Kommunal-Vereins von 1889, das mit einer Festwoche und der Herausgabe des Buches "Groß Borstel - vom Dorf zum Stadtteil" angemessen gewürdigt wurde. Nach mehr als 100 Jahre Dominanz der Männer wurde am 13.2.1991 erstmals eine Frau als 1. Vorsitzende gewählt, Hildegard Springer. 1996 erschien die Bücherhalle Groß Borstel erneut auf einer Liste von Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, die geschlossen werden sollten. Die Borsteler Bürger kämpften mit allen Mitteln um die Erhaltung ihrer Bücherhalle. Dennoch wurde sie 1998 geschlossen, nachdem die Einrichtung einer ehrenamtlich betriebenen Buchausgabestelle konsequent von den Borsteler Bürgern abgelehnt worden war. Die Forderung nach einer fachkundig geführten Öffentlichen Bücherhalle bleibt unverändert bestehen. 1990 begann eine Diskussion um das Kriegerdenkmal am Licentiatenberg, das von vielen als provokante Verherrlichung des "Heldentodes für das Vaterland", von vielen anderen als ehrendes Mahnmal für die in den Weltkriegen gefallenen Groß Borsteler empfunden wurde. Sichtbares Ergebnis der heftigen Debatten waren am Licentiatenberg einerseits die Pflanzung von drei Ginko-Bäumen als Symbol für den Wunsch nach Frieden und andererseits die Errichtung eines "Nachdenkmals" als Aufforderung zum Nachsinnen über angemessene Formen des Gedenkens für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Wegen Baufälligkeit wurden beide Denkmäler im September 2006 abgebaut. Im Jahre 1999 übernahm Helmut Vogt den Vorsitz im Kommunal-Verein. In seine Amtszeit fiel der Übergang ins dritte Jahrtausend, der zum 111jährigen Bestehen des Kommunal-Vereins mit einer weiteren Festwoche und der Fortschreibung des Buches zum 100jährigen Jubiläum begangen wurde. Sein Verdienst ist es auch, dass der Kommunal-Verein den datentechnischen Anschluss an das dritte Jahrtausend bekam. Mit der Web-Seite "Groß Borstel auf Draht" ist der Kommunal-Verein seit Mitte 2001 im Internet präsent. Nach sechsjähriger Vorsitztätigkeit gab Helmut Vogt sein Amt am 9.02.2005 an Wolf Wieters ab. Einen nicht unerheblichen Teil seines Etat verwendet der Verein zur Förderung kultureller Einrichtungen und Veranstaltungen in Groß Borstel. Jeden Monat wird den Einwohnern im Rahmen der Mitgliederversammlungen kostenlos eine Veranstaltung im Stavenhagenhaus geboten. Darüberhinaus finden zahlreiche Sonderveranstaltungen wie Lesungen, Vorträge oder Theateraufführungen statt. Auch das gesellige Leben kommt nicht zu kurz: dafür bieten sich an Gespräche rund um die Veranstaltungen im Stavenhagenhaus, Tanzpartys, Jazz-Frühschoppen und das alljährliche Stadtteilfest. Die Mitgliederzahl des Kommunal-Vereins liegt zur Zeit bei ca. 1.050, damit gehört er zu den größten Bürgervereinen Hamburgs, im Verhältnis zur Einwohnerzahl des Stadtteils ist er sogar der größte. Die vielfältigen Aufgaben, die der Verein sich stellt, fordern tatkräftige Mitarbeiter im nach wie vor ehrenamtlich tätigen Vorstand. Interessenten für diese Arbeit sind jederzeit herzlich willkommen.
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